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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 329

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
Date
1898-01-01
Page
329 (sequence 51)
Language
German
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— 329 — dem Zinngeräth, das die alljüdische Stube schmückte. Berger hatte diesen Schrank aus der Gasse in Eibenschütz aus seines Vaters Wohnung hierher bringen lassen und hielt ihn wie ein Heiligthum. Auch der Speisetisch in. bet Mitte des Zimmers war mit weißem Tischtuch überdeckt und darauf standen die gleichen Gerichte, die einst das Vespermahl seiner Ahnen gebildet hatten. Fisch, Braten und Barches. Sonst waren diese Mahlzeiten immer voll heiterer Lebendigkeit. Dem kleinen Familienkreis gesellte sich stets Samuel Stern, der den Sabbath hielt, und oft, wenn er von seiner Arbeit abkam, Martin Krummbacher. Für ihn hatte gerade die Feier dieser Stunde des verdämmernden Tages mit ihrer inneren Freudigkeit und Würde einen großen Zauber. Heute aber war Alles still um das Familienoberhaupt. Niemand war erschienen, sogar Frau Marjam und seine Tochter fehlten und er war ganz allein. Er hatte daher auch nur einige Bissen zu sich genommen, um den Brauch nicht zu brechen und mit stillem Seufzer das Tischgebet vor sich hingemurmelt. Dann erhob er sich, ließ seinen Blick über den Tisch gleiten und sah, daß auch zur Habdala Alles vorbereitet war. Eine wundervolle Gewürzbüchse, ein Meisterwerk altvenetianischer Silberarbeit und der vergoldete mit „koscherem" Wein gefüllte schwere Pokal standen auf einem fein ciselirten großen Tablett, daneben lag ein gedrehtes Wachskerzchen. Aber seine Tochter war nicht da, um ihm das Lichtlein zu halten. Hoch über ihren Kopf empor, in jugendlichem Uebermuth. Nach einem jüdischen »Aberglauben ^amit die Höhe des Mannes zu bezeichnen, den sie als Bräutigam wünschte. Allwöchentlich wiederholte sie diesen Scherz in züchtiger Anmuth, denn sie wußte, daß es dem Vater ein Vergnügen bereitete, sagen zu können: „Kleinigkeit! Ein Riese muß es sein, gar nicht anders ..." und wie er dann schmunzelnd und lachend sie auf die Stirne küßte. — Und heute? Noch war sie überhaupt gar nicht da. Er seufzte jetzt vernehmlich: — „Ein Ries'! Der Ingenieur is wirklich einer ... so stark und groß. — Rech» wird zur Habdala noch kommen." Dann trat er in die Ecke zum Gebet und mit tiefster Inbrunst wendete er sich an den Gott seiner Väter: „Schir, hamaalaus, hinei borachu ess Adanaj“ — Preiset den Ewigen, Ihr Gott ergebenen — und am Schluß mit erhobener Stimme und in demuthvollster Innigkeit: „Owino malkenu hocheil olenu chajomim haboim

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