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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 328

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
Date
1898-01-01
Page
328 (sequence 50)
Language
German
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328 „Und Du und Dein schwacher Körper sind das Opfer jener Schuld, die Andere an den Aermsten verbrochen haben ,. murmelte Martin ingrimmig. „Du hast gelitten für mich ... geistig und körperlich ... ich bin gesund und stark ..." „Und ich bin glücklich, weil ich Dich habe ... so habe! Wer weiß, ob Du in der dumpfen Lust der Gasse so hättest werden können, wie draußen in der rauhen, frischen Lust, die Dir wohl oftmals scharf um die Nase wehte, dafür aber die Glieder stark machte und widerstandsfähig —" „Und darum habe ich Dich so geliebt und hat's mich immer zu Dir gezogen ..." „Zu den Eltern muß ich Dich aber bringen . .. Dich und — sie!" Dann saßen sie noch ein Weilchen stumm nebeneinander, als fehlten ihnen die Worte, das auszusprechen, was sie Beide bewegte. Endlich ermannte sich Samuel, erhob sich von seinem Platze und sagte: ' „Jetzt aber laß uns Herrn Berger aufsuchen, um ihm die überraschende Wendung zu melden, welche die Angelegenheit genommen hat. Der Sabbath neigt sich seinem Ende zu und er wird bald Habdala machen." Arm in Arm schritten sie der Billa zu. * Im geräumigen Speisezimmer, das ebenso vornehm wie behaglich eingerichtet war, stand auf dem Tisch noch die Vespermahlzeit servirt. Es schien, als hätte der Hausherr ihr nicht besonders zugesprochen, denn die Schüsseln waren fast unberührt. Nur von der Barches war ein Stück abgeschnitten, wahrscheinlich Um den üblichen Segensspruch über das sabbathliche Gebäck zu machen. Jacob Berger aber stand in einer Ecke des weiten Raumes, mit dem Gesicht gen Osten gewandt und verrichtete das Mairewgebet. Andächsig kamen die Worte über seine Lippen und mit leichten Bewegungen des Oberkörpers begleitete er die frommen, psalmodischen Sprüche. Die moderne, elegante Umgebung bildete einen seltsamen Contrast zu den durch die Tradition geheiligten ritualen Gebräuchen, die der religiöse Mann treu befolgte. Und es hatte etwas Rührendes inmitten der kostbaren Möbel, neben dem hohen Buffet, mit echten Porzellanen, Fayencen und Silber besetzt, einen kleinen Credenzschrank zu sehen mit

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