Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 326 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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—. 326 sah, zaghaft und unsicher fast, ihn, der sonst so muthig und selbstbewußt war. „Und glauben Sie, daß Jacob Berger mir seine Tochter geben wird, freiwillig, nicht mit Gewalt? Daß er mir glauben wird, wenn ich ihm sage, mir ist sie keine Fremde und ich fühle mich nicht als Fremdling in Eurem Kreise? Und ich werde sie lieben und Hochhalten und ehren, wie Ihr die Frauen haltet in Euren Familien ..." Er hob die Stimme zu stärkerem Klang: „Stern, wollen Sie mein Anwalt sein? Ich weiß nicht, was über mich kommt. Ich habe den Muth verloren, der mich noch vor einer Stunde beseelte, das Vertrauen zu mir selbst. Ich ... ich ... in dem Augenblicke, wo ich mir all die Innigkeit, die Zusammengehörigkeit so recht klar vorhielt, die Euch Juden unter einander verbindet, fühlte ich es plötzlich wie lähmendes Entsetzen, und wenn die Anderen mich als Fremdling empfänden? Wenn sie mich nicht mögen, wenn sie mich von sich stießen ... ich ertrüge es nicht! Recha, nein — das weiß ich, aber die Andern, die Andern! Ich fürchte mich vor der Antwort ihres Vaters. Ich zaudere . . . ich könnte sein Nein nicht hören, seine Bedenklichkeit nicht sehen! Das würde für immer in mir nachtönen, in Groll und Schmerz — wenn man mich zurückwiese, mich, der kommt mit so viel wahrer, warmer Sympathie. Niemals käme mein verletzter Mannesstolz darüber hinaus — auch wenn Recha mein Weib würde! Ich will nicht ein Geduldeter, ein Fremdling unter Euch sein, denn ich fühle, daß ich es nicht bin!" Wie ein Aufschrei kamen diese Worte aus der Brust des Erregten. Mahnend und besänftigend antwortete ihm der aufs Tiefste Erschütterte: „Beruhigen Sie sich, lieber Martin. Quälen Sie sich nicht mit so trostlosen Befürchtungen. Ich werde für Sie um Recha's Hand werben, ich will gern Ihr Fürsprecher sein, mehr als das, ich habe mit Herrn Berger bereits gesprochen." In dankbarer Freude ergriff der Ingenieur die Hand des Sprechenden. „O Sie . . . Sie! Ich wußte es ja! Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht! Sie sind mir zugethan . .. Ihnen bin ich nicht fremd."