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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 325

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
Date
1898-01-01
Page
325 (sequence 47)
Language
German
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325 „Und . .. ja und . .. weiß er, daß auch Recha ..." er stammelte in höchster Verwirrung diese Worte und dann, wie zur Ruhe sich zwingend, brach er aus: „Ach, Stern . .. Stern . . . lieber, guter Stern ... ich bin ja ein so grenzenlos glücklicher Mensch — ein so Grenzenlos unglücklicher! ... Helfen Sie mir doch . .. Das ehrliche Mädchen liebt mich ... ich werde es mir erobern . . . aber, der Alte und ... ja mit der Religion ... ich mache mir gar nichts daraus, das wiffen Sie ja ... und nie habe ich mich wohler und heimischer gefühlt in meinem Leben, als hier in diesem jüdischen Hause. Und es zog mich zu Ihnen und es machte mir Freude, für unseren Chef, wenn er auch ein Jude ist, zu arbeiten, und diese Frau Marjam ist mir angenehm und das Alles war mir behaglich und sympathisch. Dieses stille Familienglück und diese poetischen Feste. So ein Schabbes und so ein Sederabend ..." er sprach diese Worte etwas fremdartig aus, „und die Feiertage mit ihren Zeremonien und der Jom-Kippur ... das Alles interessirte mich und ich fühlte mich gar nicht fremd neben Euch und mit alledem. Es war mir oft unbegreiflich, daß ich, ein Christ, so warmen Antheil an Eurem Leben haben konnte, an Euren Sitten und Bräuchen. Aber es war so und es ist so . . . nun aber verstehe ich es. Ich liebe dieses Mädchen! Ich liebe es heiß und innig . .. und in ihm verkörpert sich mir die geheimnißvolle Anziehungskraft, die mich an dieses jüdische Haus fesselt, die mich mit unsichtbaren Fäden an Euch Alle band ..." Es lag etwas Weihevolles in seiner Stimme und Samuel betrachtete ihn mit Rührung. Und diesem schlichten, wahrhaftigen, treuherzigen Menschen würden Vorurtheile sich in den Weg stellen, man würde ihm die Pforte verschließen, durch die er Einlaß begehrte?! Er konnte sich nicht verhehlen, daß Recha's Vater, wenn er auch vielleicht weicher und nachdenklich gestimmt war, noch lange nicht bereit sein würde, dem Andersgläubigen sein Kind zu geben. Er wußte ferner, daß dabei tausenderlei Rücksichten auf die Familie und auf die Gemeinde in Betracht kamen, er kannte auch die Gesinnung Frau Marjam Schiffs, die ihrer Pflegebefohlenen den Heroismus der Entsagung viel wahrscheinlicher anpreisen würde, als das Recht der Liebe, der Leidenschaft. Das Alles ging ihm im Fluge durch den Kopf, als er Martin's Geständniß hörte und ihn so vor sich stehen

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