Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 324 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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324 „Ich erwarte Sie mit Ungeduld, lieber Freund. Zch muß sie sprechen, ich habe Ihnen eine wichtige Mittheilung zu machen ..." „Jetzt? gleich?" Er trat auf die Schwelle des Zimmers. In diesem Augenblicke fühlte er erst, wie ihn die Unterredung angegriffen hatte, wie tief erregt er war und wie die Auseinandersetzungen der letzten Stunde in seinem Herzen nachzitterten. Gern hätte er in seinem Zimmer sich ausgeruht und in einsamer Ueberlegung alles dessen, was aus ihn eingestürmt war, sich gesammelt. Aber er kannte keine Rücksicht auf sich, wenn ein Anderer ihn rief und seiner bedurfte. Als daher Martin auf seine Frage antwortete: „Ja, sogleich!" kam er vollends in das Zimmer hinein und schloß die Thür hinter sich. Erschöpft ließ er sich auf einen Stuhl nieder. Gegen seine sonstige Gewohnheit merkte Krummbacher in seinem Eifer gar nicht, wie angegriffen er war. „Rathen Sie einmal, was ich setzt vorhabe? Und fällt es Ihnen nicht auf, daß ich die Fabrik schon verlaffen habe? Nur Sie wollte ich vorher noch sprechen und deshalb wartete ich schon . . ." Er sprudelte die Worte lebhaft heraus. „Stern, Mensch, wenn Sie ahnten . .. nein, ich kann Ihnen gar nicht sagen ... nein, ich muß Ihnen sagen ..." „Was ich ohnedies weiß . .. Sie wollen hinüber nach der Villa .. . mit Jacob Berger wollen Sie sprechen ... und deshalb sind Sie früher aus der Fabrik fortgegangen Sie wollten die letzte Stunde des Sabbaths benutzen, eine Mußestunde, eine Festesstunde — um bei ihm um Recha's Hand anzuhalten ..." Mit weiten, erstaunten Blicken sah ihn Martin an. Erschrocken beinahe, wie vor einem Wunder. „Wieso? ... Sind Sie ein Prophet, Stern? Wieso wissen Sie? ..." „Es ist nicht gar so schwer, Ihre offene Natur zu durchschauen, mein lieber Martin." „Und so ... Sie .. . Sie haben bemerkt ... ich Recha ..." „Ach ja!" Es klang wie wehmüthige Ironie. „Ich habe etwas gemerkt und — auch Andere." Er führ jäh auf. „Wer? Andere?" „Herr Berger, lieber Freund, und Frau Marjam wohl auch."