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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 321

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
Date
1898-01-01
Page
321 (sequence 43)
Language
German
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321 vor die Villa. Der Vater und Marjam mußten heimgekehrt lein. Noch einmal umschlossen sie seine Arme, wieder preßte er sie an sich und flüsterte leise: „am nächsten Samstag Abend bitte ich Deinen Vater um seinen Segen". ... Dann drückte er einen Kuß auf das Ohr, als wolle er das süße Geheimniß darin verschließen und entließ sie aus seiner Umarmung. Sie eilte dem Hause zu in glückseliger Verwirrung. Die Nacht, die diesem Abende folgte, verbrachte sie schlaflos. Noch einmal durchlebte sie im Geiste das Entzücken der letzten Stunden, dann aber schlich wie ein neidisches Gespenst auch die Angst an sie heran. Was hatte sie gethan? An eines Mannes Brust hat sie geruht, seinen Kuß geduldet, seine Zärtlichkeit erwidert . . . und diese Rechte hatte sie ihm eingeräumt, ohne des Vaters segnende Zustimmung, ohne der mütterlichen Freundin gütigen Rath. . . . Das war nicht Brauch unter den Töchtern Israels, sie sagte es sich wieder und immer wieder. Und er? . . . für ihn galten diese Sitten nicht, denn er gehörte nicht zu ihnen. Wie in bangem Schrecken durchdrang sie diese Vorstellung. Fürchterlich! Sie kannte die Schranke, die sie von ihm trennte, sie wußte, daß sie schier unüberbrückbar sei und trotzdem hatte sie seinen Liebesschwüren gelauscht, seine Küsse getrunken und sich in seine starken Arme geschmiegt. Eine ganz andere trat sie am Morgen in den Kreis der Ihren. Aber sie hoffte, daß man ihr die innere Wandlung nicht ansehe. ... Stillschweigend, nur hie und da sie liebevoll streichelnd, hatte Marjam diesem Bekenntniß gelauscht. Sie hielt es nicht für angemessen, ihr zu sagen, daß sie recht gut bemerkt habe, daß etwas besonderes mit ihr vorginge und daß ihr verändertes Wesen auch dem Vater ausgefallen sei und er mit ihr vorhin darüber gesprochen habe. Sie wollte sie nicht beunruhigen und scheu machen und sagte daher nur: „Samstag? Das ist heut." Zitternd und bangend schmiegte sich Recha an sie. Sie sah im Geiste, wie nach Schluß der Fabrik Martin zu ihrem Vater treten würde, froh und sieghaft, ihrer Liebe sicher, um ihre Hand zu begehren und wie . . . Mit lautem Aufschluchzen verhüllte sie ihr Antlitz. „Er wird es niemals erlauben .. . niemals! Was habe ich gethan?" Was soll daraus werden... Marjam! Marjam!" 21

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