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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 318

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
Date
1898-01-01
Page
318 (sequence 40)
Language
German
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318 Mühselig hatte Berger sich von seinem Stuhl erhobene „Das war die Folge von dem unnatürlichen Gesetz. Nur der Staat war Schuld an dem Unglück. Eure Mutter war gewiß brav und daß Euer Vater ein ordentlicher Mann ist, das sieht man an dem Sohn," suchte er ihm freundliche Worte zu geben, „aber sie waren jung..." „Und die andern sind jung, Herr Berger, heut ..." Seine Stimme hatte sich erhoben. Warnend und beschwörend klang sein Ausruf. Erschüttert stand Jakob Berger vor ihm. Zitternd und bebend, als hätte ein Weckruf ihn aufgerüttelt aus dumpfem Schlummer, als wäre ein grelles Licht in das Dunkel seiner Vorurtheile gefallen. „Aber was soll geschehen?" stöhnte er. „Das läßt sich im Augenblick nicht bestimmen?" „Soll meineRecha, mein einzig Kind, sich — schmadden?"J) Ein Schauer überlief seinen Körper bei dem Gedanken, daß seine Tochter getauft werden könnte. „Beunruhigen Sie sich nicht schon jetzt mit so weitgehenden Vorstellungen" tröstete er ihn. „Das einzige, was ich von Ihnen verlange, ist, daß Sie nicht gewaltsam eingreifen in diese Herzensangelegenheit Ihrer Tochter. Lassen Sie den Sabbath in Ruhe und Frieden aus diesem Hause ziehen, heut wie immer, damit er in Freuden wiederkehre." Berger winkte zustimmend mit der Hand. Er vermochte - kein Wort hervorzubringen und machte nur noch eine verabschiedende Geberde. Als hierauf der Fürsprecher seines Kindes ihn verlaßen hatte, stand er lange unbeweglich auf einem Flecke und blickte nachdenklich vor sich hin, endlich lispelte er halblaut, wie aus wirrem Jdeengang sich zur Wirklichkeit zurückfindend: „Es wird bald Zeit, sein Mincha zu dawnen."-) *) Taufen. 2) Beten.

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