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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 316

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
Date
1898-01-01
Page
316 (sequence 38)
Language
German
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316 schlicht, fröhlich und so voll schöner, gewinnender Manneskraft . . „Aber er ist ein Christ," stöhnte der tieferschütterte Jude. , „Merkwürdig, mir ist er nie wie ein Fremdling erschienen. Ich bekenne es offen, daß auch ich über dieses Gefühl leider noch nicht ganz hinausgewachsen bin, sobald ich mit Andersgläubigen zusammenkomme, daß es wie Scheu und Zurückhaltung mich ihnen gegenüber oft befällt. Martin hat mir nie solche Empfindungen eingeflößt. Er ist mir wie ein längst Vertrauter, ein theurer Freund, dem ich rückhaltslos mich geben kann, und was uns den Anderen gegenüber noch zu kluger und bescheidener Reserve zwingt, daß wir noch nicht lange als gleichberechtigt unter ihnen leben, fällt hier fort, Martin erscheint mir wie Einer der Unsrigen." „Was Hab ich von scheinen ... er ist's doch nicht!" jammerte der alte Mann. „Und ich will's auch nicht denken, daß mein Kind, mein einzig Kind" ... Die Verzweiflung des Klagenden ging ihm nahe, aber er hielt es für richtiger, diese Zweifel mit einem mal zu lösen und zu beseitigen und sagte deshalb: „Sie sprachen vorhin von der Liebe im Judenhaus, wie es früher war. Sie fragten mich, ob mein Vater und meine Mutter sich nicht geliebt haben? Und Sie ahnten nicht, welche Wunde meines Herzens Sie damit rauh berührt hatten. Sie kennen die Geschichte meiner Eltern, wie sie die Gasse sich erzählte. Wie Kobele Stern und Lea Feiertag sich gern gehabt haben lange Jahre, bis endlich die Emanzipation ihnen die Möglichkeit zur Ehe gab. So kannte auch ich diese Geschichte, bis vor zwei Jahren, als ich zu Hause war, mir meine Mutter ihren wahren Inhalt erzählte. Und so sollen Sie diese Geschichte jetzt erfahren, denn sie ist lehrreich und ich weiß, daß ich kein Unrecht thue, wenn ich sie Ihnen anvertraue. Jawohl, mein Vater und meine Mutter haben sich geliebt, wie nur zwei junge, gesunde, blühende, kräftige Menschen sich lieben können und da damals der Staat das that, was Sie heute thun wollen, die Einwilligung versagen, so gab es — Verirrung und Sünde im frommen, ehrbaren Hause meines Großvaters. Als dieser davon erfuhr, brach er zusammen. Seine Tochter verließ die Heimath und gab draußen in der Fremde einem Knaben das Leben. — Das

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