Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 315 (sequence 37)
- Language
- German
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315 Thatsache, daß sich kein Hinderniß in den Weg gestellt hätte, das herrliche Geschöpf sein zu nennen. Wie eine Versuchung umschlich es ihn mit geheimnißvollen Lockungen und Verheißungen . . . wenn der Andere nicht im Wege stand . . . wenn ... Und noch einmal unter den qualvollsten Zuckungen seines Herzens überwand er jede unlautere Regung und wuchs empor zu sieghafter Selbstbeherrschung. „Ich danke Ihnen, Herr Berger, für dieses Wort und nimmer werde ich es vergessen. Sie können zählen auf mich in jeder Stunde meines Lebens, und das Glück Ihres Hauses ist mir theurer, als mein eigenes und weil es so ist, müssen Sie mir erlauben, mit Ihnen zu sprechen wie Jemand, der ein Anrecht hat, einzuwirken auf Ihre Entschließungen." Er gönnte sich eine kleine Pause der Sammlung, bevor er seinem flüchtigen Glückstraum unwiderruflich das Todesurtheil sprach. „Sie sagten es selbst, lieber Herr Berger, daß auch ich gut genug. sei für den „geistigen Ideenaustausch." Ich weiß, das Wort stammt von Frau Marjam, als sie für Fräulein Recha den Verkehr mit uns bei Ihnen befürwortete. Aber wenn Sie dieses Wort genau überlegen, so werden Sie darin auch die Antwort finden, warum das Herz Ihrer Tochter sich Marün Krummbacher zugewendet hat. In geistiger Freundschaft steht sie mir nahe, das kann ich mit Stolz sagen, aber das junge, warme, gesunde Blut begehrt noch Anderes. Und nun sehen Sie mich an. Bin ich der Mann, den ein blühendes, schönes Mädchen lieben kann? Und glauben Sie, ich würde es verantworten, ein solches an mich zu fesseln? Menschen wie ich bleiben unvermählt, wenn sie Ehre und Gewissen haben. Deshalb braucht mein Leben nicht trostlos zu sein. Es giebt so Vielerlei, was es lebenswerth macht. Die Wissenschaft, die Pflicht, die Menschenliebe. Es blühen Blumen für Jeden, wenn er sie nur zu finden weiß und ich werde mir mein Sträußlein schon pflücken. Eine Blüthe aber von so seltener Art, wie Ihr Kind, die ist bestimmt, einen hohen Baum zu schmücken, einen kraftvollen, starken, gesunden Stamm. Wundert es Sie, wenn Ihre Tochter sich dem prächtigen Martin zuneigt? Sie kennen ihn noch nicht. Er ist nicht nur in seinem Beruf ein tüchtiger Mann, er ist auch ein trefflicher Charakter. Treuherzig, offen.