Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 309 (sequence 31)
- Language
- German
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309 Leid auserkoren sein sollte, erfüllte ihr Herz mit unendlichem Weh. War sie es nicht, die es gewünscht und befürwortet chatte, daß Recha mit den beiden jungen Leute verkehrte . . vielleicht gerade weil sie vor beiden sie sicher glaubte. -Samuel Stern schien durch seine Erscheinung, Martin Krummbacher durch seine Religion jede Gefahr des Verliebens aus- Zuschließen. Und nun war das Unerwartete doch eingetreten. — Sie suchte ihre Gedanken zu sammeln, noch gab sie nicht jede Hoffnung auf. Es galt in erster Reihe den Vater zu beruhigen, damit er durch einen jähen, übereilten Eingriff nicht eine Katastrophe herbeisühre. Sie fürchtete die rauhe, rücksichtslose Energie Martins, die erregte, leicht zur Ueberreizung zu steigernde Stimmung Recha's. Daher sagte sie jetzt, als Jakob Berger's Groll in hastiger Rede sich aus- -getobt zu haben schien: „Es wäre ja sehr traurig, wenn Recha ernstlich daran Lenken könnte, daß der Ingenieur ihr je etwas anderes werden -könnte, als ein lieber Jugendgefährte und Freund. Sollte es der Fall sein, daun muß man mit Gednld und Nachsicht, mit Liebe und Sanftmuth die kranke Seele zu heilen versuchen. Jeder heftige, willkürliche Widerspruch würde sie nur reizen und die Sache verschlimmern. Wir leben nicht mehr in der Zeit, Herr Berger, in der man die Kinder zu blindem Gehorsam zwang, sie zu willenlosen Werkzeugen unserer Wünsche machte. Das Selbstbestimmungsrecht, das wir erbeteten und erhofften für unsere Religionsgenossenschaft, für unsere Gemeinden, ist auch jedem Einzelnen zu Gute gekommen. Solche Segnungen lassen sich nicht beschränken und wie dürften mir, innerhalb unserer Familien, das anwenden wollen, den gleichen Zwang ausüben, unter dem unser Volk so schwer gelitten? Wir müssen sie die Fesseln lieben lehren, die das Gesetz ihnen auferlegt, nicht hassen, und freiwillig müssen sie die Opfer bringen, die unser Glaube fordert." „Sie reden wie Jellinek in Schul, liebe Frau Marjam ..." sagte er schon etwas versöhnt, aber immer noch mit irvnischem Tone, „das ist Alles sehr schön und gut, aber nur gesagt, nix gethan. Sie sehn doch, was dabei rauskommt. . . . Wir haben Recha etwa nicht ihren fteien Willen gelassen? Sie hat nicht dürfen thün, was ihr Spaß macht? Sie hat