Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 308 (sequence 30)
- Language
- German
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308 mein Haus Hab gehalten in guter Jidischkeit, hält' ich auch mein einzig Kind erhalten sollen. Liebe Frau Dr. Schiffen ... wenn sie nix gewußt hält' von „seire" Geschichten und von Lieb, bevor man unter de Chuppe geht, und von „geistigen Verkehr mit gebildete Männer" und andere so übergespannte Dinge, hätt' ich heute nix solche Geseires zu erleben gebraucht und nix zu sehen und nix zu höreu, daß meine Tochter liebt . . . was haißt liebt? Sie hätt' schon drei Jahre gekonnt verheirachet sein mit den ersten Partieen im ganzen Oesterreich. . . . Jiches und Geld und ä feinen Bocher. . .. Kleinigkeit! Jakob Berger's einzig Kind." ... Er redete sich immer tiefer in seine Entrüstung hinein, so daß Marjam gar nicht zu Worte kam und dadurch Zeit gewann zu überlegen, wie sie die Angelegenheit zu behandeln habe, die auch sie mit schwerer Betrübniß erfüllte. Denn so weit war auch sie in ihren Aufklärungs- und Toleranzideen noch nicht gelangt, um die Ehe einer Jüdin mit einem Christen für möglich zu halten und für glücklich. Auch wäre ihr der Gedanke unfaßbar gewesen, daß Recha zum Christenthume hätte übertreten müssen. So sein gebildet ihr Geist auch geworden war an der Seite ihres edlen Mannes, so frei und modern und milde sie zu denken gelernt hatte, die Vorstellung, abtrünnig zu werden dem Glauben der Väter, hätte nie in ihrer Seele Raum finden können. Die reine Gotteslehre zu verleugnen und eine Religion abzuschwören, die ihr Volk durch die Jahrtausende erhalten und in unendlichen Leiden und heiligen Schmerzen mit sich getragen durch die ganze Erde, über die es verstreut war. Dieser Religion untreu zu werden, die oft nur der einzige Halt, die einzige Hoffnung war, die diese Aermsten hatten, wäre ihr ehrlos erschienen. Niemals hätte der Gedanke an eine Taufe einer beschönigenden, versöhnenden Auffassung bei ihr begegnen können. Und immer hob sie hervor, wenn vön solchen Fällen die Rede war, daß die Glaubenstreue eine der höchsten sittlichen Forderungen sei, die ein geistig hochstehender, vornehmer Mensch zu erfüllen habe. Je befreiter in seinem Wesen und Denken, desto weniger dürfe er ein Bekenntniß mit dem andern vertauschen und müsse eher jedes persönliche Opfer bringen. Daß aber Recha, die sie liebte wie ein eigenes Kind, zu solchem Opfer, zu so tiefem