Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 307 (sequence 29)
- Language
- German
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307 ohne daß sie die Worte hören konnte, die zwischen ihnen gewechselt wurden, ahnte sie doch, wovon sie sprachen. Sie sah, Laß das junge Mädchen erregt war und daß er sie zu beschwichtigen suchte. „Das glaube ich seit einigen Tagen auch nicht mehr," wendete sie sich dann zu Berger, „mehr als das, ich glaubte es bestimmt zu wissen, daß sie den Ingenieur liebt." Er fuhr aus seinem Fauteuil empor und sank dann mit einem schweren Seufzer wieder zusammen. „Gott behüte," rief er aus und leiser murmelte er: „chaffwe scholem," als könne er das Unheil sicherer abwenden, wenn er in den geheiligten Lauten der Sprache seines Volkes Gottes Hilfe anrief. „Sie sagen das so dahin, Frau Dr. Schiffen, als ob das gar nichts wäre? Die Tochter von Jakob Berger, das Einckel von Reb Salme Berger — seicher lewrocho*) — aus Eibenschitz liebt einen Ingenieur, einen Goj, weiter nichts, mir nichts, Dir nichts ... sie liebt ihn! Eine ganz natürliche Sach' . . . was haißt, sie liebt ihn? Und er sie . . . wie's im Buche steht, in de Romane und in der Gartenlaube und in die ffanzösischen Parlirbücher und weiter gar nix, blos sie liebt ihn ä Bischen."... Wenn Jakob Berger zornig oder aufgeregt war, verfiel er noch leicht in den Sprachgebrauch und Tonfall der Gasse, während er sonst sich einer gebildeten Ausdrucks- und Sprachweise mit gutem Erfolge befleißigte. Um sich aber so recht von Herzen zu reden, bedurfte es der nachdrücklichen, intimen, bezeichnenden Worte, die seine Vorfahren angewendet hätten in solchen Fällen. „Weiter nix. Kleinigkeit! Mein Recha und so ä hergelaufener Ingenieur ... 's thut sich was! For ä Fabrik is er gut, aber nix for Jakob Berger's „Eden". Ich bitte sehr, liebe Madame Schiffen, ihr das zu erklären und begreiflich zu machen, wenn sie sich so weit vergessen sollte, das glauben zu können. Ich kann mir's gar nich denken . . . ä jüdisch Kind und solche Ideen! . . . Nur aus die modernen Bücher hat sie die bekommen in „Simchos ha nefesch"^) steht oßer was von Liebe . . . das kommt von der naimodischen Bildung. ... Ich hätt's nicht zulassen sollen! Und wie ich *) Seligen Angedenkens. 2) „Seelenfreude."