Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 296 (sequence 18)
- Language
- German
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296 Hauses vollzogen, mit so verfeinerten Formen und so traulichem, innigem Behagen, daß auch ihr ästhetisches Gefühl volles Genügen (fand und beste Anregung. Wie schön erschienen ihr die jüdischen Feste! Wie weihevoll und innerlicht Wie rührend und ergreifend die hohen Feiertage! Des Menschen Seele ganz hinnehmend, und nicht einen einzelnen Kedanken, sondern die allumfassende Idee: „Gottesvolk" in die Herzen senkend. Wie ein Patriarch erschien ihr dann den Vater und wie eine Zionsburg die schöne, kostbar ausgestattete Villa in Mödling. Der weite, blumenprangende, schattige Garten wurde ihr zu den Gärten von Saaron und das Bächlein, das ihn leise plätschernd durchzog, zum Brunnen von Hebron. Daß Recha unter solchen Einwirkungen zu einem ganz außerordentlichen Menschenkinde emporwuchs, war nur natürlich, und neben dieser edlen Lebenshaltung begünstigten auch alle übrigen Umstände diese Entwickelung. Zu dem intimeren Kreise des Hauses war von Jakob Berger sein Oberingenieur Martin Krummbacher und sein Prokurist Samuel Stern herangezogen worden. Marjam hatte es als wünschenswerth erklärt, daß Recha, nachdem sie ihr achtzehntes Jahr erreicht hatte, auch mit gebildeten jungen Männern in Berührung komme. Sie wollte gerade dadurch vermeiden, daß das lebhafte, anmuthige, fröhliche Mädchen in einer Abgeschlossenheit von der Welt lebe, die sie schüchtern und ungewandt mache und falsche Vorstellungen in ihr erwecken könnte über die Beziehungen der Geschlechter zu einander. Im freien, geistigen Verkehrsollte sie andere Individualitäten kennen lenten, beobachten, beurtheilen und bewerthen. Das schien ihr für ein Mädchen von Rechas Vorzügen und chrem Reichthum durchaus nothwendig, um bei der Wahl eines Gatten dereinst nach eigenem Ermessen die geeignete Persönlichkeit zu finden. Von so durchaus modernen und den jüdischen Sitten freilich ganz fernliegenden Ansichten ahnte Jakob Berger allerdings nichts. Aber er ließ die treue Hüterin seines Kindes vertrauensvoll gewähren. Marjam hatte viel Trübes und Unerfteuliches gesehen durch die Verheirathung jüdischer Mädchen, die nur nach dem Willen der Eltern, ohne nach Neigung und Uebereinstimmung der jungen Leute zu fragen, zusammengegeben wurden. Sie wollte ihr Kleinod Recha vor einem solchen Geschick bewahrt scheu. Das mochte ihrer An-