Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 294 (sequence 16)
- Language
- German
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294 Versprechen zu halten. Und wenn er zur „Jahrzeit" heimfuhr nach Eibenschütz, die Gräber von Vater und Mutter zu besuchen, konnte er reinen Herzens aus „Kewer owes“1) gehen. Er hatte sein Wort gehalten. Seine Nachbarn und Geschäftsfreunde hatten ihn gern, auch wenn er sich fern hielt von ihren Mahlzeiten und Festen. Als er in Mödling das Grundstück gekauft, die imposante Fabrik errichtet und diese endlich eingeweiht hatte, waren sie alle erschienen. Wenn auch die Speisen koscher zubereitet waren und der derzeitige Eibenschützer Rabbiner, den er extra dazu verschrieben hatte, die „Broches"^) sprach über das neue Haus, so halle das weder den Bürgermeister, noch den Pfarrer, noch die Honoralloren des Ortes abgehalten, dem „Weihefest" beizuwohnen. Jakob Berger hatte dem Oertchen zur Wohlhabenheit verholfen. Was er anfaßte, gedieh. Der Werth der Grundstücke stieg draußen. Fabrik neben Fabrik entstand, denn er war mit Rath und Hilfe stets gern bereit, wo es galt, seinen Mitbürgern zu nützen. Auch bei der Arbeiterbevölkerung stand er sehr hoch in Ehren. Aus seinem Hause strömte Segen und Wohlthun, und je mehr sein Vermögen und sein Ansehen wuchs, desto eifriger war er bemüht, andere theilnehmen zu lassen an den Segnungen, die der „allmächtige Gott Israels" ihm, dem armseligen, gedrückten Kind der Gasse verliehen hatte. In diesem Geiste erzog er auch sein einziges Kind. Er war seit vielen Jahren Wittwer, aber wenn auch seiner Recha vielleicht die mütterliche Zärtlichkeit gefehlt hatte, so gab es in ihrer Umgebung nichts, was der harmonischen'Ausbildung ihres Geistes hätte Abbruch thun können. Eine feine, gebildete, ältere Frau stand dem Hausstand bevor. Frau Marjam Schiff. Sie war die Wittwe eines Arztes, der damals von der Talmudschule in Presburg aus dem Weckruf gefolgt war, der besonders in den Herzen der talmudisch gebildeten Jugend wie Posaunenton widerhallte und sie hinlockte in die Hörsäle der Universitäten, in die Laboratorien und auf den Secierboden, wo sie bald durch Verstand, Eifer und Tüchtigkeit sich hervorthaten. Der von seinem Beruf beglückte jüdische Arzt hatte dann in einer Landpraxis, die ihn überaus beschäftigte, aber wenig abwarf, verabsäumt^ *) Grab der Ahnen. 2) Segenssprüche.