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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 288

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
Date
1898-01-01
Page
288 (sequence 10)
Language
German
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288 hätte er es jemals möglich machen können/ von den Competenzbehörden, dem Kreisamt, vielleicht gar der Landesstelle und endlich der Studienhoskommission eine Heirathserlaubniß zu erlangen, selbst wenn er Kobele Stern zum Eidam hätte machen wollen? Auf die sonstigen zu einer Heirath erforderlichen Vorzüge zu verzichten, hätte vielleicht eher im Bereiche der Möglichkeit gelegen, aber wenn schon nichts anderes, die gesetzlichen Bestimmungen mußten dann doch wenigstens erfüllt sein . . . deshalb sagte er barsch: „Genug, Feifele Schammes, spart Eure Chochmes') für Andere auf, bei mir kömmt Ihr nix an mit solche Schmonzes berjonßes^). . . mein Eidam werd ä Familiant sein, wie ich aner wor, oder gor kaner ... ich will kein „Magrant" als- Eidam und keine „Mamserim"^ als Einikel^)..." .Lea griff mit der Hand nach der Thüreinfassung, um sich zu stützen. Sie hatte eine Empfindung, als müsse sie im nächsten Augenblick zusammenstürzen. Das Haus und die Gasse schienen sich mit ihr im Kreise zu drehen und vor ihren Augen wurde es plötzlich Nacht. War der Sabbath mit einem Schlage von ihnen gewichen? Ohne daß die fiommen Segenssprüche der Habdala erklungen waren, den Festtag dankbar beendend, die Arbeitswoche demuthsvoll begrüßend? Oder hatte ein rasch auftauchendes Gewitter den reinen Sommerhimmel jäh verdunkelt und würde es in der nächsten Sekunde über sie niederstürzen in vernichtendem Blitzstrahl, mit Donnergetös und Sturmesbrausen? Es heulte und krachte und stöhnte um sie herum in schrecklichen Lauten, aus denen nur ein Wort deutlich an ihr Ohr klang: Mamser! Das Grausamste, Erniedrigendste,; Schrecklichste, was die Gasse kannte und was ein jüdisch Kind treffen konnte. ... Und sie?! Der Vater hatte nichts bemerkt. Er sah sie ja die ganze Woche nicht und wenn er Freitag zurückkehrte, nahmen ihn die feierlichen Vorbereitungen für den Schabbes so in Anspruch, daß er für seine Tochter kein rechtes Auge hatte. Es schien ihm so selbstverständlich, daß seine Lea brav und züchtig, sei, daß ihm niemals der entfernteste Gedanke aufgestiegen i) Klugheiten. 2) ThörichteS Gefasel. 3) Bastarde. J) Enkelkinder.

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