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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 287

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
Date
1898-01-01
Page
287 (sequence 9)
Language
German
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287 Kobele Stern und Lea! Und so jäh und plötzlich trat es vor ihn hin. Dieses fürchterliche Geheimniß! Schmul Feiertag stöhnte tief auf und griff, wie um einen Haltepunkt zu finden, nach den Seitenlöckchen, die ihm sauber gedreht vor den Ohren herabhingen. Er rang nach Fassung und dann kam es mühselig über seine verkniffenen Lippen: „Stuß!^ Man redt viel, wenn der Tag lang ist und noch mehr, wenn man nix zu thun hat, wie Feifele Schames und die Weiber in der Gass'. . . . Ausgerechnet! Kobele Stern! Warum? Darf er unter die Chuppe^) gehn? Js er ä Familiant? Mein Lealeben, ausgerechnet mit ä Menschen, der nix derf und nix hat! — Wenn er noch wenigstens ä Recht hätt' zu heirathen." „Wer hat ä Recht? Wenn Ihr darauf warten wollt, Schmul Feiertag, kann Eure Lea nebbich ä alte Mad werden und Ihr werd oßer ihre „£ettoint"3) schreiben lassen und „Maseltow") zu hören bekommen." Schmul Feiertag zuckte zusammen vor dem grellen Lichte dieser Wahrheit. Dann sagte er mit gepreßter Stimme: „Was kann ich dazu thun? Mer sein nebbich geschlagene Lait un as der Kaiser nix will, kann man ka Chassen?) nich machen ..." „Wer kann nix? Was haißt, man kann nix? Es ist noch gar nix dagewesen, daß man hat Chuppe gemacht ohne ä „Familiennummero?" Laßt Lea und Kobele von Reb Iainkew Pollaczek Kiduschei?) geben, es werd grod ä so gut halten, als wenn es von Kreisamt derlaubt is. — Haißt ä Sach! . . . Kimpetenzbehörde! Se soll Schabbes dervon machen, de „kaiserlich-königliche Studien-Hofkomixsiohn" . . . ä schwarz Johr auf ihr!" ... Feifele war in einen komischen Zorn gerathen, aber weder Schmul noch die lauschende Lea hatten einen Sinn für die Komik, die seiner Erbitterung die Spitze nahm. Der alte Mann hörte aus seinen Worten nur heraus, welch entsetzliche Schwierigkeiten den Israeliten bei ihren Eheschließungen bereitet wurden, ohne daß er sich deshalb hätte entschließen können, gegen das Gesetz zu handeln. Wie i) Unsinn. i) 2) Trauhimmel. 3) Verlobungsparagraphen. 4) Glückwunsch. 5) Hochzeit. 6) trauen.

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