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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 265

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
265 (sequence 38)
Language
German
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265 des Vaters Sinn wie von Todesschatten umdunkelt ist." Ergoß er sein Herz gegen seine Mutter, so rieth sie ihm, sich Trost in Gesellschaft seiner alten Genossen im Hause des Fürsten M. zu suchen, da dort sein Trübsinn Weichen werde. Der Rath that chm Wohl, in jenem Hause verkehrte er noch als Kind wie bei den Eltern, von dort kam man zu den Eltern fleißig aus Besuch. Mit den Söhnen des Hauses ging er zusammen in die Schule; nicht Kameraden, nein! wie Brüder waren sie ihm, die ganze freie Zeit verbrachten sie in seinem Elternhause. Des Fürsten Tochter nannte ihn nur immer Bruder. „Dieses wilde Mädchen ist schon zur Jungftau herangereift, seit acht Jahren sah ich sie nicht; gewiß, sie ist groß und schön geworden — wie wird sie mich jetzt ansprechen? Wird sie mich wieder bei der Hand nehmen und um die Wette mit mir laufen? . . . Dort werde ich mich erholen." . . . Und dort erholte er sich wirklich, als die groß und schön gewordene Jungftau ihm freundlich zulächelte, ihm die Hand in Freundes- und Geschwisterweise entgegenstreckte, unverholen ihre Freude darüber aussprach, ihn in voller Reife, als Mann, wiederzusehen. Auch ihre Mutter ließ es an Zeichen der Liebe und Freude nicht fehlen und bat ihn, einige Tage bei ihnen zu bleiben, bis die Söhne mit ihren Kameraden vom Felde heimkümen, da sie gestern auf die Jagd gegangen. Zum Zerspringen war sein Herz vor Lust, als am zweiten und dritten Tage das Mädchen ihn einlud, sie beim Ausreiten zu begleiten, und er chr zur Rechten ritt über Berg und Thal, daran sein Auge sich weidete. Seit langem hatte Hagrowicz die Schönheit der Natur nicht gesehen. In der Residenz blüht nur das Elend, schießt nur die Niedertracht ins Kraut; üppig steht dort List in Halmen, die Thränen der Bedrückten sind der Wein, den man dort keltert. Wie es aber aus dem wirklichen Gottesboden keimt und sproßt und wächst, das hatte er längst vergessen, und so erquickte er sich an allem, was er sah. Hoch stand der blaue Flachs und blitzte in die Sonne, so hoch, daß er ihn und das Fräulein überdeckte, wenn sie durchritten. Die wogenden Korn- und Weizenfelder, die reich in Frucht standen, neigten die Häupter einander zu, als ob sie sich fteülich unterhielten und wie wellige Hügel schwankte es im ganzen Umkreis bis ans Ende des Horizontes. Endlos

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