Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 264 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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264 einst, sich gegenseitig Freude zu bereiten. Dem Vater aber den heiteren Sinn und den alten Muth wiederzugeben, ging ganz und gar nicht an; er wußte ja doch von vorn herein, daß man mit Trost- und Liebeswerben ihm nicht nützte. Aus diesen Gründen fand er in den Ferien, nach denen er sich diesmal mit aller Macht seiner Gefühle gesehnt hatte, nicht die gehoffte Freude. Noch angstvoller als beim Vater sah es für ihn beim Großvater aus. Bis jetzt ging er dort ans und ein, genoß Liebe und Freundlichkeit die Fülle; er hatte nur die Mahnung der Mutter zu beachten, den Greis nicht dadurch auszubringen, daß er etwa ein Bibelgebot oder einen alten Brauch ins Lächerliche zog. Und wenn er nun hierin achtsam war, wußte er, daß er nur Wohlwollen zu erwarten hatte. Jetzt aber hörte er auch dort nur Schreckgeschichten, Angst vor der Zukunft, Verwünschungen gegen die-schamlosen Räuber, was ihn in fortwährender Aufregung erhielt. Noch mehr.regte es ihn auf, als er vernahm, daß die gesammte jüdische Studentenschaft eine Versammlung zu berufen beschlossen, um Geld und freiwillige Gaben zur Colonisirung Jerusalems zu sammeln. Auch viele von den Alten gesellten sich zu ihnen und lobten ihr Vorhaben. Auch in Großvaters Hause ward viel darüber geredet; er gab feine Zustimmung und einen ansehnlichen Beitrag. Jerusalem wieder aufbauen! Weh dem Ohre, das solches hören muß! So fanatisch also ist dieses Volk wieder geworden, daß es den Namen Zions und des gelobten Landes wieder ausspricht! Ihr ganzes Leiden bestand ja nur darin, daß sie sich von ihren Nachbarn absonderten und nicht zu den Einheimischen zählten, und nun kommt die alte Leier wieder, die Kluft noch zu erweitern und zwischen sich und Christen eine ewige Scheidewand zu stellen. O Jahrhundert! wie tief bist Du plötzlich mit deinen Priestern und Sehen: gesunken! Das ist dein eignes Werk! Immer in den Spuren Deiner Apostel wandelnd hast Du plötzlich, fast an deine Wende, wo Du deinem Erben, dem nächsten Jahrhundert, zu weichen im Begriffe bist, eine Schwenkung gemacht, umgeschlagen und alle deine Herrlichkeit in nichts zerrinnen lassen. „Nein!" sprach er zu sich, „ein solches Leben ist unerquicklich, und wie groß ist mein Schmerz, da ich weiß, daß die Mutter mitleidet, sie, die einzige, die klar sieht, während