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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 258

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
258 (sequence 31)
Language
German
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258 den Knaben in jüdischer Weise unterrichten lassen wollte, sie aber sich dessen weigerte und ihn in eine christliche Schule zu schicken beschloß. Der Ausgleich bestand darin, daß der Knabe die christliche Schule besuchte, ein jüdischer Lehrer aber ihn im Hebräischen und im Talmud unterrichtete. Auch an die Geschenke mußte er denken, die sein Vater in großer Zahl vertheilte, als er bereits ein Kapitel der Schrift oder einen talmudischen Abschnitt vorwagen konnte, und das Lob, das er allenthalben über sein tälmudisches Wissen zu hören bekam, was ihn zum Lernen anspornte, obwohl die Mutter ihn darüber nie lobte, auch keinen, der zum Besuch kam, aufforderte, ihn darin zu prüfen, wie sie es in den Sprachen und Profanwissenschaften that. Alle diese Einzelheiten beschäftigten ihn jetzt und sein Konfirmationstag, wo er zum erstenmal, in der Synagoge den Propheten vortrug und Großvater ihm die Phylakterien gab und ein schönes Konfirmationsgeschenk dazu ... Wo sind die Phylakterien hingekommen? Das Präsent besaß er noch heute. Ruhe imd freundliches Behagen umgaben ihn überall, große Ächtung kam auch auf ihn durch diejenige, welche Großvater genoß, da in der ganzen Vaterstadt sich niemand fand, nicht Jud' noch Christ, der ihn nicht auf Händen getragen hätte. Wie oft, wenn sie allein waren, betheuerte die Mutter dem Vater, der Greis komme ihr wie ein überirdisches Wesen vor. Als sie damals verarmten, weil sic bei einem der Großen in der Stadt um ihr Vermögen gekommen waren, suchte sie es zu verheimlichen und bat nie um Unterstützung, und als sie dann nur von seiner Beisteuer lebten, sprach er nie ein Wort über Glaubenssachen. Das konnte sie nie vergessen, auch als ihr Mann Fiuauzverwalter in der Provinz mit hohem Gehalte geworden war, und er auf des Vaters Güte nicht mehr angewiesen war, da schürfte sie den Kindern erst recht ein, ja vor Großpapa den Sabbath nicht zu entweihen oder von Schweinefleisch und dergleichen vor ihm zu sprechen. Dies alles stand jetzt vor ihm, auch seine vielen christlichen Freunde, die er hatte, und wie er beim Lehrer M. wie ein Kind vom Hause gehalten wurde, auch Anna's gedachte er, die ihn wie einen Bruder behandelte, und plötzlich, fünf Jahre, seit er sie nicht gesehen, sehnte er sich nach ihr. Wie? Fünf Jahre schon? Schien es ihm doch schier ein Tag ... Und

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