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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 257

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
257 (sequence 30)
Language
German
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257 wachte. Auch hielt er Wort, richtete in seinem Hause alles christlich ein, fragte nicht viel nach Sabbachfeier, nach rituellem Vorgehen im Essen und Trinken. Und obgleich er dies seinen Eltern verheimlichte und sie nicht wagte, dem Schwiegervater zu gestehen, daß im Hause nicht nach Vorschrift geschehe, wußte der Greis doch alles. Und seit er sich trotz allem Zureden seiner Schwiegertochter weigerte, zu Tische zu kommen, that sich gleichsam eine Kluft zwischen dem Greis, seinem Sohn und seiner Schwiegertochter auf. Diese Kluft wurde täglich größer, denn bei seinem Sohne huldigte man den Fortschritt, die Frau warf immer mehr die Maske ab und verführte auch den Mann, bis er sich den Bart scheeren ließ und am Sabbath christliche Gesellschaften gab, Juden gar nicht mehr zu Besuch kamen; man ging offen, kochte und rauchte. Lange trauerte der Greis trostlos wegen seines Sohnes und wollte sich nicht mit ihm versöhnen. Als ihnen aber dieser ihr Sohn geboren wurde und die Mutter chr Verlangen laut werden ließ, ihn nicht beschneiden zu lassen, da hielt er mit dem Zorn an sich und besuchte seinen Sohn, um ihn von diesem gefahrvollen Schritte fern zu halten. Seine Schwiegertochter kam seinem Begehren nach und beruhigte ihn mit der Versicherung, daß ihr so etwas nie eingefallen sei und sie es nur gesagt habe, weil sie, die sich so herzlich gesehnt, chn wiederzusehen, hierin das einzige Mittel gesehen, ihn ins Haus zu bringen. Da leuchteten dem Greise die Augen, und erst, als sie zum Bundesfestmahl funkelnagelneues Geschirr kommen ließ, da sie für die rituelle Zulässigkeit des alten nicht stehen könne! Die ganze Stadt rühmte ihre Klugheit, die Aufgeklärten wie die Orthodoxen, denn inzwischen war unter den Jüngeren die Zahl derer immer mehr gewachsen, die ungescheut das Gesetz übertraten, und die meisten betrübten überdies noch die Eltern durch Hoffart und Uebermuth; da war dann die Schwiegertochter des Salomon Hagrowicz ein Muster von klugem Takt, da sie nicht so weit ging, wie die« anderen jungen Frauen. Alles dieses, was Hagrowicz in seiner Kindheit hatte erzählen hören, ging jetzt an ihm vorüber, und sein Herz hob sich stolz bei der Erinnerung an seine kluge Mutter. Auch an den Frieden dachte er, den Großvater und Mutter nach langem Streit geschlossen, da er 17

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