Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 252 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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252 jene zu verantworten haben, die die Stadt in Aufruhr gesetzt und ihre Pflicht nicht gethan. Ohne Zweifel werden die Ruhestörer uns viel Böses anhaben, rauben, plündern, morden; aber auch wir werden uns nicht verstecken, sondern uns vertheidigen und den Feind Zurückschlagen." Obwohl der Fürst vor Zorn an allen Gliedern bebte und er die weitere Drohung ausstieß, er werde jeden Juden hängen lassen, den man mit einer Waffe ergreifen würde, sprach er doch: „Geht Ihr nur nach Hause. Das Volk hat ganz recht, es Euch heimzuzahlen, und wenn ich's nicht zulasse, so geschieht es nicht Eurethalben, sondern weil ich Aufruhr nicht mag. Geht nur nach Hause, ich verbürge mich für die Ruhe der Stadt." — Am Abend jenes Tages fing es an. Sie kamen überall hin, rissen die Häuser nieder, ohne einen Stein aus dem andern zu lassen, zerschmetterten, zerfetzten, was ihnen in die Hand kam und was zu schwer war, um es wegzutragen. Sie wütheten die ganze Nacht und den darauf folgenden Tag. Kein Mensch kam uns zu Hilfe, kein Polizeimann, kein Soldat. Nur wo Juden sich zum Schutz ihres Lebens und ihrer Häuser zusammenfanden, da, als hätte der Abgrund sie plötzlich ausgespieen, waren Polizeimänner da, sie wegzujagen oder zu fesseln. Und so ging's von Haus zu Haus mit Verwüsten, Niederreißen, Schlagen und Verwunden; ganz offen auf der Straße wurde jede Schandthat verübt. Auch über unser Haus fielen sie her, rissen es nieder, plünderten alles darin, selbst Rahel raubten sie den Schmuck vom Halse und es wäre ihr noch schlimmer ergangen, wären nicht die Nachbarn ihr zu Hilfe geeilt und hätten sie im Keller eingeschlyssen. Dasselbe geschah mit Deiner Mutter und den Kindern. Der Keller bot Schutz, denn seine Eisenthore leisteten den Mördern Widerstand. Zwei Tage und zwei Nächte haben sie ohne ■ Speise und ohne Trank dort zugebracht. Ich wurde, nachdem ich mich mit dem Gesindel herumgeschlagen, erschöpft und ohnmächtig ins Nachbarhaus gebracht. Doch waren meine Wunden nicht lebensgefährlich, nur die gebrochene Hand that mir noch weh. Alle 40 Verwundeten sind es mehr als ich, zwölf sind den Wunden erlegen, außer dreien, die man auf der Straße umgebracht. Bei uns blieb kein Sessel ganz; nicht Fenster und Thüren nur sind zertrümmert, auch das