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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 251

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
251 (sequence 24)
Language
German
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251 mich zusammen, ihm zu sagen, daß die uns zugekommene Nachricht die meisten Stadtbewohner, da es Juden sind, in Aufregung gebracht, daß aber ich, obwohl dem Gerücht nicht trauend, die feste Ueberzeugung habe, der Herr Stadthauptmann werde uns beschützen, trotzdem aber, der allgemeinen Beruhigung wegen, das Vermittleramt übernommen habe. „Was habt Ihr Euch denn vorgestellt?" rief er zornige „meint Ihr, noch ungestraft das Blut der Christen zu saugen? Ihr wollt immer die Herren spielen, immer höher steigen und das Volk durch jeden Lug und Trug gegen diese Harmlosen immer tiefer herabbringen? Das Vermögen einfältiger Bauern soll Euch zukommen, damit Ihr durch Kniff und Pfiff immer reicher werdet? Das Volk hat es endlich fatt, Euch mit Eurer Tücke zu ertragen, und wenn es Euch sein Gut wieder abnimmt, ist es ganz im Recht. An ihm habt Ihr Euch bereichert, Euch geschieht ganz nach Verdienst!" Dabei ging er ins Kabinet und verabschiedete die Deputirten hinaus. Wie tausend Donner hallte mir seine Stimme ins Ohr und Millionen Feuerfunken stoben in allen Farben mir um die Augen, ich war wie außer mir. Im ersten Augenblick erfaßt mich Gram, und um ein Haar hätte ich mich tigerartig auf ihn gestürzt und ihm den Garaus gemacht. Seine letzten Worte jedoch kühlten mich schnell ab; ich zitterte wie ein Espenblatt und konnte kaum aus den Füßen stehen, geschweige denn antworten. Statt meiner redete Josizonicz, und seine sanfte ruhige Sprache brachte mich noch mehr außer mir. Wie? ich zitternd und wortlos dastehend,während Josizonicz, der all sein Lebtag geschachert und Talmud gelernt, unerschrocken und ruhig redete? Dies waren seine letzten Worte: „Von Dir also haben wir nichts zu erwarten, so bleibt uns denn nur übrig, in der Residenz Hilfe zu suchen." Darüber war der Stadthauptmann empört, stampfte mit den Füßen und ries: „Wagt Ihr das, dann mache ich mit Euch allen ein Ende!" Doch blieb ihm Josizonicz die Antwort nicht schuldig. „Ob Du," sagte er, mit uns ein Ende machen kannst oder nicht, weiß ich nicht, soviel jedoch ist sicher, daß der Schutz der Stadt Dir obliegt. Giebst Du sie auf und sagst es offen heraus, so danken wir vom Herzen; denn der Juden sind mehr als der Christen, und das Blut Deiner Brüder werden

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