Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 249 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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249 Passählamm, ungesäuerte Kuchen, bittere Kräuter bei Seite Werfen und sich erst dann recht der vollen Erlösung und des ^Einswerdens mit den Christen freuen werde. So reizende Aussichten gaukelten an jenem Morgen um ihn; er sah nur Schönes und Erfreuliches in der Zukunft. Wie ein Wölkchen Zog es ihm höchstens über das Antlitz, als dieser Tag ihn erinnerte, heute sei der fünfte jüdische Feiertag; wo ja in jener Versammlung beschlossen worden war, dem Schriftsteller die Ovation zu bringen. Er mußte sich jetzt daran erinnern, denn damals, als der Tag festgesetzt wurde, hatte er's im Stillen ausgerechnet, daß er aus den ersten christlichen Ostertag fiel. Dies paßte ihm ganz vortrefflich, denn die Hausfrau würde dann über sein Festtagsgewand nicht erstaunen und denken, daß er's etwa wegen des jüdischen Passah anlegte. Darum dachte er jetzt bei der Rückkunft vom Besuch bei der Hausfrau att sein Versprechen, und das umwölkte ihm die Stirne. „Ich habe mein Wort gegeben und muß es auch halten. Ziemt es mir aber, einen Mann aufzusuchen, der alle unsre Zukunftsideale so unbarmherzig zerstört? Gehe ich hin, dann beweise ich ihm meine Hochachtung. Darf ich das aber, da er uns wieder nach rückwärts weist und die wahre Erlösung aufhält? Ohne ihn und seine Parteigenossen stände ich nicht mehr mit meinen Anschauungen so allein. Nun aber hat das Gegenthell sich ereignet. Collegen, die Aufklärer werden wollten, wurden zu Finsterlingen, wollen, was sie schon Jahre lang nicht gethan, wieder Ostern nach Judenweise abhalten, ja sogar die Synagoge besuchen! Rückwärts wollen sie. Wohin aber kommt es mit unseren Hoffnungen, wenn selbst die Jugend rückwärts geht mit dem Wahne: Wir sind auch ein Volk und feierir unser Volksfest! Nein, ich will mich nicht selbst belügen, ich gehe nicht hin! Auch dieser Schriftsteller ward ein Finsterling, der die Jugend nach rückwärts drängte, da darf unsereins ihm keine Ehre erweisen. Er stiftet viel Unheil durch seine falsche Unglücksprophezeiung, macht seine Anhänger verzagt und erregt Uneinigkeit und Spaltungen. So zuversichtlich giebt er seine persönlichen Eindrücke für Wahrheit aus und die Thoren glauben ihm. Wer kann denn so bestimmt die Zukunft Vorhersagen? Die Zukunft gehört uns und unseren Nachkommen, Narren tasten im Dunkeln. Wir werden noch