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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 248

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
248 (sequence 21)
Language
German
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248 ihn doppelt. Alle um ihn waren Christen, Leute von Stande. Hier sah er denn doch deutlich, wie aller Religionshaß aufgehört hatte, da auch er, der Jude, mit Liebe und Achtung, wie einer der Ihrigen behandelt wurde. Und wenn ihn auch niemand an Sprache und Lebensart als Juden erkannt hätte, er selbst auch mit größter Behutsamkeit seine Confession verbarg und den Namen Jude nie über die Lippen brachte, wußte er doch den Hausgenossen Dank dafür, daß sie ihn wie ihresgleichen behandelten. War das nicht ein offener Beweis, daß nur die Juden selbst es verschuldeten, wenn man sie nicht wie Freunde und Brüder ansah? Warum überall den Juden hervorkehren? Warum in Manieren, Essen und Feiertagen sich vom Christen absondern? Wozu überhaupt daran erinnern, daß noch Juden auf der Erde und im Lande existirten? Thäten alle es ihm nach, wäre dieser allgemein verhaßte Name längst vergessen und alles brüderlich vereinigt. Stammte er selbst nicht aus einem von uraltersher durch Gottesfurcht und Gottcsgelährtheit in der ganzen Judenheit hochangesehenen Hause? Sein eigener Vater war von seiner Kindheit an bestimmt, ein Licht in Israel zu werden. Doch hatte er sich von so hochfliegenden Plänen nicht verleiten lassen und war lieber eine Leuchte der Aufgeklärten und Gebildeten geworden. In dieser Weise hatte er auch seine Kinder angeleitet, so daß er mit seinem ganzen Hause als ein Hort moderner Cultnr galt. So hatte er sich denn auch stets danach gehalten und als er her in die Hauptstadt gekommen und bei einer angesehenen christlichen Dame Wohnung gefunden, studirte er noch eingehender christlichen Brauch und Sitte und heute, als am ersten christlichen Ostertage, machte er auch Feiertag und ein Osterfleck und eine gefüllte Spansau aus seiner Tafel bewiesen zur Genüge, daß er alles nach Uebung und Herkommen mitmachte. Alles das gereichte ihm zu hoher Befriedigung und keine bloße Förmlichkeit war sein Handkuß, als er die Haussiau zum Fest begrüßte und auf ihren herzlichen Spruch: „Wahrlich, er ist erstanden!" die landläufige Antwort gab: „Der Heiland ist erstände^!" Er fühlte sich gehoben dabei und hoffte, daß in kurzem die ganze Judenschaft, die jetzt noch ihr Fest für sich feierte und daher vom Christen scheel angesehen wurde, den ganzen Krimskrams von alten Erinnerungen:

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