Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 246 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Kopf anschlagen zur Einsicht gelangen, daß sie noch nicht eingefallen." „Und was gedenkst Du nun zu thun?" fragte der Arzt, nachdem er sich überall umgesehen, ohne daß einer Jakubovicz. eine Antwort gab. „Ich? Bin ich denn ein Wegeführer? Habe ich denn eigene Gedanken ausgesprochen? Ich bin ja nur das Echo jenes Schriftstellers, mit dessen Worten ich zu widerlegen versuchte. Wollt Ihr einen Rach, dann geht zu ihm und achtet auf ihn, wenn er Euch anspricht." Die Versammlung theilte sich in Parteien und jeder sprach seine Meinung aus. Die einen sagten, man brauche keine Belehrung von einem Manne, der die Dinge auf den Kopf stelle, der Jugend von der Bildung abrathe und ihr böse Tage prophezeie, die nie eintreffen könnten. Der Geist der Bildung, steige immer höher und werde nicht wieder sinken, das Radder Zeit gehe nicht rückwärts, sondern immer weiter vorwärts; wer nicht mitgehe, trage selbst die Schuld. Gegen diese Meinung erhoben sich Einzelne, welche auf der Seite von Jakübovicz standen. Sie redeten hin und her, bis der Arzt seine Ansicht dahin aussprach, daß auch sie von jenem Schriftsteller nicht gerade Belehrung nöthig hätten, daß es ihm jedoch recht und schicklich scheine, hinzugehen und ihm Aufmerksamkeit zu erweisen. Und als auch Hagrovicz dazu beifällig genickt, wurde beschlossen, es an dem angehenden Feiertage öffentlich zu thun. II. Täuschung auf Täuschung. Hagrovicz taumelte rückwärts und wäre bald vom Sessel gefallen, als er zufällig in den kleinen auf dem Tische stehenden Handspiegel sah und bemerkte, wie verstört er aussah. Auch der Spiegel, sein alter Kumpan, seit er hier zu Wirthe war, auch der zeigte das alte Gesicht nicht mehr. Immer hatte er ihn angelächelt, und erst heute Morgen, als er äufgestanden war, sich gewaschen, angezogen und rasirt hatte, um der Hausfrau den Ostergruß zu bringen, war er vor ihn getreten und strahlend hatte dieser seine Gestalt zurückgeworsen und nach der Visite, mit höher gerötheten Wangen, war er wieder lange vor ihm gestanden; denn ihn und das ganze, ihm