Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 245 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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245 Werfen sie Steine auf uns, Mist uns ins Gesicht und Sand in die Augen, daß uns zu entrinnen schwer wird. Die Steine, die der College sieht, sind nicht Trümmer der Scheidewand. Sie steht noch fest, die Steine wurden frisch dazu getragen, daß keiner von uns nahe. Ja, jene früheren Tage waren schlimm und bitter, aber die heutigen sind noch viel ärger. Damals befanden wir uns in einem Ausnahmezustände, aber wir hatten unser Recht und die Menge wußte, daß dieses Recht uns schützte und niemand wagte, dieses geringe Recht .anzugreifen. Jetzt aber verfährt jeder nach Belieben mit uns. Damals hatten wir unter den Großen nicht viele Feinde, die meisten von ihnen, Fürsten und Minister, hatten Mitleid mit uns, sprachen für uns, suchten uns aufzuklären, munterten uns zu Bildung und Wissen auf, freuten sich unserer Einsicht und lobten offen unsere Fähigkeiten, um uns Muth zu machen. Jetzt aber haßt uns jedermann, all ihr Sinnen und Trachten geht nur dahin, uns von der Bildung abzuschneiden und verächtlich zu machen. Und wie viel übler ist unsere Lage jetzt, als damals! Damals in unsrer Erniedrigung lernten wir von Kindheit an, standesgemäß uns ernähren und ernährten uns auch für's ganze Leben. Jetzt aber schwärmen wir in unsrer Jugend einem Jrrlichte nach, hoffen, einst in Palästen zu wohnen und finden, herangewachsen, auch die allergewöhnlichste Wohnung nicht. .Damals in unsrer Verachtung fanden sich humane Menschen, die dem Volke zuredeten, uns zu toleriren, Milde an uns zu üben; sie entschuldigten unser abstoßendes Aeußere, unsere krummen Wege damit, daß sie selbst uns gewaltsam dazu gezwungen, sie prophezeiten uns und den Christen eine bessere Zukunft, sobald wir aus dem Joche wären. Jetzt aber hört man nirgends etwas von Milde und Toleranz, sondern von Anfeindung und Rachegefühl, und all ihr Streben geht nur dahin, uns fern zu halten. Damals hatten wir wenigstens Hoffnung, jetzt aber ist auch diese vereitelt. Und doch finden sich Verblendete unter uns, die sich nicht schämen, vor aller Welt zu behaupten, daß damals die böse Zeit war, setzt die gute angebrochen ist. Erfreut Euch nur immerzu an der guten Zeit, wenn sie nur gut für Euch ausfällt. Doch was reden wir mit Blinden! Wissen wir doch, daß Blinde die Wand nicht sehen und erst, wenn sie anrennen und den