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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 242

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
242 (sequence 15)
Language
German
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242 fließt lange Zeit,, eine unendliche aber, bevor es gelingt, ihr einen einmal angenommenen Wahn zu rauben. Die Zeitungsangriffe haben es richtig schon dahin gebracht, daß das Volk zu glauben beginnt, wir seien aparte Wesen, Schurken, die sich auf seine Kosten bereicherten, daß wir. daher außerhalb der Gesetze stehen. Beweis dafür, jeder sagt uns die Wahrheit straflos ins Gesicht. Fängt jedoch die Menge einmal an, diesem Wahne auch durch die That Ansdruck zu geben, dann wird kein Richter, kein Beamter im Stande sein, sie davon .abzubringen. Sehen wir's doch mit Augen, daß sie es nicht einmal wollen. Das alles saht ihr, seht ihr täglich und fordert Beweise?" Einen Augenblick schwiegen alle, weil niemand eine Widerlegung wußte, bis Hagrovicz aufftand und diesmal sagte: „Mit solchen Worten triffst Du entschieden ins Schwarze, denn der von Dir vorgebrachte Beweis dringt uns ins innerste Mark, wir spüren die Wunde bei der leisesten Berührung, vergessen im Uebermaße des Schmerzes Recht und Billigkeit, nennen auch einen Schatten und ein Irrlicht einen Beweis, denn jeder, der uns so kommt, gewinnt unser Ohr und Herz. Ich war noch ein Kind, als ich mit meinem Vater in die Synagoge kam, um eine Trauerrede anzuhören, die der Prediger über das Ableben eines großen Rabbiners, eines Anverwandten meines Großvaters, hielt. Dies war auch der Grund, warum der Vater, was er seit Jahren nicht gethan, in die Synagoge ging und mich mitnahm gegen den Willen meiner Mutter, die sich dagegen sträubte, mich unter Menschen kommen zu lassen, welche wild und wiehernd an einem Orte lärmten und herumtobten, das man ein Gotteshaus nennt. Der Prediger sprach lange, wies nach, jeder müsse den Dahingegangenen beweinen, er sei einer der Großen gewesen, für die es keinen Ersatz gebe; daß der Edle nur um der Sünden seiner Zeit wegen im 83. Lebensjahre verstorben, daß Gott die seinethalben vergossenen Thränen zähle und. zur Erinnerung aufbewahren werde; allen Lohn des Dies- und Jenseits versprach er den Weinenden. Aber nirgends wollten Thränen sich einstellen, sicherlich wegen des auffälligen Umstandes, daß mein Vater keinen Bart trug und ich christlich gekleidet war. Als der Prediger: all seine Mühe umsonst sah, als er'' bei

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