Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 240 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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240 eines langen Geschwätzes müde, „das sind nur Negationen. Was aber positiv thun? Sagte er das?" „Auch danach fragte ich ihn," erwiderte Jakubovicz, „und sein Bescheid .lautete: Lehren läßt sich nur, was nicht geschehen darf. Was wir positiv zu thun haben, das sagen uns die Verhältnisse und Bedürfnisse. Lehren müssen wir, daß es Schimpf und Schande ist, die Ruthe zu küssen, daß es eine Niedertracht ist, uns in Dank und Lob gegen den Räuber zu ergießen, der alles rauben will, uns einen kleinen Rest zu lassen, damit wir mit diesem wieder erwerben und er uns abermals räuberisch überfalle; daß es ohne Verstand handeln heißt, zum Feinde überzugehen und sich ihm doch nicht ganz zu unterwerfen. Kurz, wollt Ihr wahren Frieden, dann lügt und heuchelt nicht, sagt offen: wir können den Krieg nicht weiter führen, das Feld nicht behaupten, treten wir in die Reihen des Feindes und unter seine Botmäßigkeit. Nur belügt Euch selber nicht, zu meinen, daß Ihr mit Säbel und Flinte in der Faust, ohne Euch zu demüthigen im Feindeslager freundlich und friedlich ausgenommen werdet. Diese Doppelwaffe ist der Namen Jude und Euer Glaube, gleichviel ob innerlich oder blos äußerlich. So lange Ihr diese Waffen nicht von Euch geworfen, um deretwillen allein dieser ewige Krieg geführt wird, wagt nicht, um Frieden bittend ins Feindeslager überzutreten. Dies seine Worte und ich bin stolz darauf, ihre Richtigkeit begriffen zu haben, habe mir auch vorgenommen, danach zu handeln. Das hat mich dazu angespornt, die Kameraden zu versammeln und sie aufzufordern, jenen Schriftsteller aufzusuchen, damit wir ernste Worte vernehmen, wie sie unter Juden bisher nicht vorgekommen." Diesmal erreichte Jakubovicz seinen Zweck, denn auf dem Gesichte der meisten Zuhörer zeigte sich Ergriffenheit und Bereitwilligkeit, seiner Aufforderung Folge zu leisten. Nur Hagrovicz, wenn auch nicht mehr mit der gewohnten Siegeszuversicht, gab den Streit noch nicht auf. Seinen Sitz verlassend, sprach er, doch nicht mehr mit der früheren Ruhe: „Und war jener Mann der Prophet und Du sein Echo, so wirst'Du doch zugeben, daß man heutzutage keines Propheten achtet und noch viel weniger seines Echos. So lange er den Beweis nicht liefert, daß er das bevorstehende Unheil richtig