Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 239 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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239 an den Teufel glauben und ihm Schritt für Schritt nachgehen, heißt sich im Vorhinein verloren geben. Wir werden mit der Behauptung nicht irre gehen, daß der Glaube an die Gerechtigkeit der Menschen und an das Rechtsgefühl des 19. Jahrhunderts uns mehr geschadet hat, als aller falsche Glaube, als aller Aberglaube. Und was lehrten uns, so lange sie lebten, diese unsre weisen Führer, die Erfinder dieses Aberglaubens? Sie, welche alle die herrlichen Gebete, in denen unsre Väter Herz und Seele ergossen, gründlich discreditirten, brachten es selbst nicht weiter als zu Gebeten. Da kommt zuerst ihr Morgengebet: Hoffe, Israel! Hoffe auf die Toleranz, auf die Liebe der Christen! Hoffe auf Liebe, auf Anerkennung, hoffe bis auf den letzten Athemzug! Dann ihr (Abend-) Opfer-Gebet mit der Lehre, ihren Erzwidersachern Opfer darzubringen, und alles wurde hingeopfert, das Gesammterbe der Väter' — umsonst! Nun freilich erübrigt uns nur noch das letzte Stoßgebet, das Nachtgebet: Der Tag ist hin, unsere Mühe vergeblich, nicht Rast, nicht Ruhe — kehre denn jeder heim, vielleicht ist da noch Erquickung zu finden." „Ach! Das ist Dichtergeschwätz und Pfaffengewäsch!" rief unwillig einer aus dem Kreise. „Gott gnade Dir Deine Weisheit!" antwortete Jakubovicz, „so weise war ich auch und sagte ihm dasselbe, doch unentwegt gab er zur Antwort: Muß denn die Wahrheit nur im Sturm, nur unter Jammer und Elend zum Vorschein kommen? Daraus kommt's an, ob etwas wahr ist oder nicht. Ein Poet, der seinen Zuhörern ruhig die Wahrheit ins Gesicht sagt, ist mir lieber, als der predigende Pfaffe im Gotteshause, der in heiligem Feuereifer Brandreden unter die Menge schleudert, im Herzen aber den Schelm sitzen hat, da er den Armen zu demüthigen, des Reichen Schlechtigkeit aber zu bemänteln sucht. Beweise mir, daß ich nur erdichtet und. ich will Dir von Herzen daftir dankbar sein. Mich aber so ohne weiteres für einen Lügner und Pfaffen erklären, das halte ich für ein Unrecht. Dies seine Worte. Jedem, der sie hören will, rufe ich sie zu: Erst urtheilen, dann reden." „Das sind ja doch alte Sachen," sprach Hagrovicz, wie