Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 236 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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236 werden auf die Straße geworfen und bald ist auch da kein Platz mehr ..." „Spricht er doch heute, wie der gewisse jüdische Schriftsteller," unterbrach einer der Versammelten, „aber noch ist der Feind nicht da und einen Jeremjas brauchen wir nicht." „Und ist der Feind da, dann nützt Euch kein Jeremias mehr. Hört doch! Ihr müßt darauf achten. Der Mann hat recht, der nur Unheil drohen sieht. Er allein sieht das Richtige, die anderen sind alle mit Blindheit geschlagen. Könnte unser Volk ihn. doch begreifen, vielleicht wäre die Noth, wenn sie kommt, dann nicht so groß. Wir jungen Leute sollten merken, was die Alten nicht spüren' wir sollten die Augen vor dem Lichte nicht verschließen, wir, die wir keine Fanatiker sind und denen die sonstigen Wünsche der Alten nicht ans Herz gehen. Wir sollten ihn aufmerksam hören und um Rach angehen, denn mündlich spricht er noch deutlicher, als -er drucken läßt und hört man ihn, dann sagt sich jeder aus vollster Ueberzeuquna: Der Mann redet die volle Wahrheit." „Du hörst ihn also aus 300 Meilen Entfernung, Du Auserwählter?" höhnte einer. „Auch das noch! Und Ihr schämt Euch nicht in die Seele! Dieser Schriftsteller weilt seit einigen Tagen in unsrer Mitte und von Euch weiß nicht einer, daß er da ist. Die meisten von Euch sind nur durch seine Schriften das, was sie sind. Hätte er nicht Euch oder Euren Eltern die Augen geöffnet, Ihr säßet heute tief in talmudischen Spintisirereien oder schachertet mit alten Kleidern. Ihr wollt Ehre von den anderen und tretet die eigene mit Füßen. Wäre er nicht Volksschriftsteller, schriebe hebräisch für unser Volk, dessen Ehre er zu schätzen weiß, er wäre in der ganzen Residenz berühmt und Ihr ..." „Wir keimen weder ihn, noch was er will," riesen zwei oder drei, „was willst Du von uns? Mögen die ihn ehren, die seine Sprache verstehen." „Gern," sagte Hagrovicz, „erweise ich ihm die verdiente Ehre, gefallen mir auch seine jetzigen Ansichten ganz und gar nicht. Aber ich weiß, was er für die Aufklärung gethan.