Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 235

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
235 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111068-3111213--0257-3111484
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

235 „Nicht wegen unserer Religion, sondern aus Religion. Sie hassen uns, weil sie uns hassen, weil sie's von ihren Altvorderen und diese von den ihrigen gelernt. Sie hassen uns, weil sie wähnen, daß wir ihren Heiland gekreuzigt. Sie feinden uns an, weil wir, in so geringer Zahl, nicht thun, was die Masse thut und zu thun gebietet. Sie hassen uns, wie alle Menschen eine Kaste oder Sekte hassen, die sich von ihnen absondert und ihnen etwas am Zeuge flicken wollen. Was sie an uns sehen, ist ihnen ein Greuel. Und fänden sie nichts weiter an uns, so genügte es, daß wir etwas andres glauben. Und was sollte sie veranlassen, einen Haß aufzugeben, in dem sie geboren und erzogen worden sind, um uns wieder zu lieben? Großes Gaudium für sie, wenn wir Schweinefleisch essen und uns wie sie kleiden!" „Und wie willst Du es anstellen? Sollen wir in die Judenschnle zurück, unsere Branntweinschänken öffnen u. s. w.?" „Ich bin kein Deputirter der Judengemeinde, um dem ganzen Volke meinen Rath zu geben; ich will nur als College unter uns jüdischen Studenten, die gerne für ihr Volk etwas thäten, meine Ansicht aussprechen, und auch ich bin für die Herausgabe mehrerer Journale in derLandessprache, nicht jedoch, um die Juden zu russificiren, sondern sie zu unseren Kampfgenossen zu machen. Sie sollen den Vergewaltigern die Vergewaltigung ins Gesicht sagen und dafür einstehen, wenn's gegen die armen unschuldigen Juden losgeht." „Ja, das hilft, wie ein Blutegel einer Wunde," rief Jakubovicz. „Und Dein Recept?" fragte der Arzt. „Mein Recept ist, das Volk darüber aufzuklären, nicht den thörichten Glauben zu hegen, als könne es sich selbst helfen, daß es vorsichtig um sich blicke, um nicht plötzlich überfallen zu werden, daß all unsre bisherige Anstrengung eitel war; daß wenn wir aber unser Volk einigen, damit nicht jeder seinen Irrweg wandle und mit den anderen sich verfeinde, noch nicht die Möglichkeit verloren ist, uns zu retten und nicht in unwiderbringliches Unheil zu gerathen. Sonst bricht es unversehens über uns herein, wir sind hilflos verloren. Haben wir doch unsere Häuser selbst zerstört und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.