Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 234 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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234 Mäuse sich wehren, dann nehmen die Katzen leichter an, den Mäusen nicht nachzustellen." „Das sind doch alles nur Worte," sagte jetzt einer der Herumsitzenden, ein stattlicher Dreißiger, der längst graduirter Arzt war, an den Studentenversammlungen aber noch immer unter allgemeiner Achtung theilnähm. „Heutzutage stellen sie uns nicht nach und thun uns nichts zu leide. Und sind sie auch noch nicht brüderlich gegen uns gesinnt, so besteht doch nicht mehr die alte Anfeindung; darum steht zu hoffen,, daß ein späteres Geschlecht noch freundlicher gegen uns gesinnt sein wird. Hagrovicz! Deinethalben sind wir zusammengekommen, sprich Du zuerst, was zu thun ist." Hagrovicz erhob sich und sprach ruhig: „Meinen Rath kennt Ihr längst. Dieser Zufall hat meine Ansicht nicht im geringsten geändert. Ich sagte längst, daß uns die Pflicht der Annäherung obliegt. Wir haben uns von der Landessitte entfernt und sind darum gemieden. Unsere Lebensweise, Speisegesetze, Kleidung, unsere seltsame Art zu beten; in allem und jedem entfremden wir uns ihrem Herzen, dann möchten wir Ehre und Annäherung von ihnen! Bei wem sie's können, da thun sie's, die ihnen jedoch zuwider sind, bei denen giebt's keine Annäherung. Wir haben, dünkt mich, nichts zu thun, als unsere Brüder das Wort des Christen zu lehren, daß sie ihn lieben und ehren, seine Sprache und Sitten, seine Sprache sich zu eigen zu machen, vor allem jedoch zu vergessen, daß zu allen Zeiten zwischen Jud' und Christ eine Trennung bestand. Dann werden wir eins mit ihnen sein und in einem Zeitalter ist aller Haß und alle Feindschaft verschwunden. So dachte ich stets, so denke ich auch heute. Daher ist es unsere Psiicht, viele russische Zeitschriften zu gründen, um dem Volke die Sprache geläufig zu machen und es zu gewöhnen, sich selbst für russisch zu halten. So lange es aber die eigenen Wege geht, in einer anderen Sprache spricht, in einer anderen Sprache betet, ist keine Aussicht, daß es russisch werde." „Und ich," meinte der junge Student, „füge hinzu, so lange es an anderen Andachtsstätten und zu einem anderen Gott betet." „Auch Du denkst," ftagte Hagrovicz, „daß sie uns unserer Religion wegen hassen?"