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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 231

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
231 (sequence 4)
Language
German
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231 -er Uebergewalt seiner Empfindungen spricht der eine oder -er andere auch ein starkes und übergreifendes Wort. „Ich sage Dir's vor allen Kameraden, das war eine Leistung von Dir! Du! hast wie ein Mann mit Schimpf erwidert, dem, der Dich, der uns alle beschimpft hat, das soll Dir unvergessen bleiben," rief einer der Studiosen feurig; leine dunklen Augen blitzten, alles an ihm bewies seine Aufrichtigkeit und seinen vollen Ernst, als er sich an einen der mit ihm am Tische Sitzenden wandte, vor dem ein Glas Bier stand, auf das seine Blicke sich hefteten, so lange der andere redete. Der Angesprochene war an 22 Jahre alt, von auffallender Schönheit; die runden vollen Wangen wie aus -em reinsten Marmor. Das blasse Antlitz hoben bis auf die Schultern und in die halbe Stirne fallende schwarze Haare; in den Augen von gleicher Farbe spiegelte sich Seelengüte und Wohlwollen, ein Lächeln schwebte auf den hochrothen, von einem schwarzen Schnurrbärtchen bedeckten Lippen. Als er jetzt zur Erwiderung sich erhob, wurde seine wie gemeißelte Gestalt sichtbar, nicht hoch, aber von kräftigem Bau. Alle wie durch einen Zauber auf ihn gerichteten Augen bewiesen, -aß sie sich seinetwegen hierher begeben, aber freilich zeigte sich eine Enttäuschung auf jedem Gesicht, als er mit einer Schwenkung der Hand erwiderte: „Nicht doch, was war da Großes daran? Er hat mich beschimpft, ich gab ihm eine Ohrfeige, und so ist's gut, und dabei ist nichts weiter zu reden." Dann setzte er sich. Rasch erhob sich einer aus der Gesellschaft von hoher Statur und ungefähr 24 Jahren. Er sprach heftig in russischer Sprache, wie der andere: „Meine Herren! Uns hat eine ernste Absicht hergebracht, die uns einen neuen Lebensweg zu bahnen, einen neuen Geist in uns allen zu wecken im Stande ist. Die Zeit ist uns günstig und wir dürfen nicht davon ablassen, wenn auch Hagrovicz -ie Ehre, welche wir ihm erzeigen, von sich weist. Ich weiß nicht, was ihn zu Worten bewog, die wie Eis unsere für ihn erregte Bewunderung abkühlen sollten. Ich weiß nicht, war's Bescheidenheit oder das uns allen von Jugend an eingepflanzte Vorurtheil, von der Zukunft zu glauben, daß es uns nicht gut gehen und unsere in den Staub getretene Ehre wieder aufblühen werde. Ich weiß nicht, was er meint; auch

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