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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 232

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
232 (sequence 5)
Language
German
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232 ist es mir ganz gleichgiltig. Nur eins ist mir bewußt. Das Große, was Menschen für das Allgemeine gethan und weshalb sie zu Berühmtheit gelangt, lag meistens im Anfang gar nicht in ihrer Absicht. Bald wäre es vielleicht vergessen worden, hätte der Zufall ihm nicht ein Relief gegeben und es zur Grundlage von etwas Bedeutendem gemacht. So wollen auch wir die That Hagrovicz' ansehn, will er sie auch nicht in unserm Lichte sehn. Genug für uns: der Bojare, ein alter Freund Hagrovicz', nannte ihn im Zorn öffentlich einen schäbigen Juden und Hagrovicz' gab ihm vor allen eine Maulschelle. Das scheint mir etwas sehr Wichtiges. Es kann uns die Augen öffnen, uns den Standpunkt endlich klar machen, daß es Thorheit ist, Liebe zu erwarten und daß die Scheidewand zwischen uns und den Christen falle. Der Haß währet ewig, unser harrt nur Spott und Verachtung. Ob wir gebildet sind, ob wir zum Pöbel gehören, Gebildete und Pöbel verschmähen uns in gleicher Weise. Der heutige Tag muß das Ende unseres bisher eingeschlagenen Weges und der Beginn eines neu einzuschlagenden sein. Darum, mag er auch unser Lob ablehnen, wollen wir Hagrowicz' That hoch erheben." Viele klatschten in die Hände, einzelne schüttelten mit dem Kopf. Hagrovicz hob den Kopf, ein leichtes, spöttisches Lächeln überflog seine Lippen; er sprach ruhig, ohne sich vom Fleck zu rühren: „Also gebührt auch dem Bojaren Dank und wir theilen uns brüderlich darein." „Nicht spotten!" rief jener und fuhr mit Nachdruck fort: „Ich sagte es ja, manchmal thut man unwissentlich etwas Großes. Ja wohl. Dank auch dem Bojaren, der uns die Gefühle seiner Millionen Glaubensgenossen verdolmetscht. Sie verbergen diese Gefühle, er: hat sie uns geoffenbart. In seinem Zorn hat er nicht blos Dich,. nicht blos Deinen Namen verunglimpft, sondern unser .ganzes Volk, als ob es ihm dafür verantwortlich wäre, daß Du ihm nicht nach Wunsche gesprochen, oder Dich unterstandest, einer Frau den Hof zu machen, in die er sich vergafft. Hiermit hat er uns klar gezeigt, daß ewig wie ein Naturgesetz die Verhaßtheit unseres Volkes ist. Du kannst die Katze nicht dazu gebrauchen, die Maus zu verschonen und wenn Du sie auch mit Krammets-

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