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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 204

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
Date
1898-01-01
Page
204 (sequence 15)
Language
German
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204 deutsche Bücher las, und dem Manne, dessen edel gehaltene, weisheitsvolle Schriften bei den Deutschen, die er nun als sein Volk betrachten konnte, allgemeine Theilnahme und Bewunderung erregten und dessen gesammtes Wirken bei seinen Glaubensgenossen eine ungeahnte nachhaltige Umwälzung hervorrief. Mendelssohn war Philosoph, Aesthetiker, Uebersetzer. Nur in der letztgenannten Thätigkeit hinterließ er ein klassisches Werk: die Übersetzung der fünf Bücher Mosis und einiger anderen Theile der Bibel, ein Werk, das zwar an Naivetät und schlichter Hoheit mit der lutherischen Übertragung nicht zu vergleichen, durch Wirkung auf die Glaubensgenossen aber ihr ebenbürtig und durch freie Wiedergabe des sprachlichen Ausdrucks ihr überlegen ist. Als Aesthetiker trat er sowohl in Kritiken als in theoretischen Aufsätzen und Schriften auf. Mit feinem Geschmack wußte er die Dichtungen vergangener Zeiten zu analysiren und die damals geschriebenen kritisch zu würdigen, wurde Lessing's, sa noch Schillers Vorarbeiter, und vertheidiate mit den Besten seiner Zeit die Anschauung, daß die Kunst die ideale Vollendung der Natur, nicht die Natur selbst, darzustellen habe. Als Philosoph war er unselbständig, er kam über Leibniz-Wolsf'sche Ideen nicht hinaus und entwickelte keine schöpferischen Gedanken. Nur darin überragte er die Genannten, daß er ihre Gedanken in lichtvoller Klarheit und anmuthiger Einfachheit wiedergab, so daß er auch denen verständlich wurde, die bisher durch die Schulausdrücke abgeschreckt davonwaren, sich mitphilosophischenDingen zu beschäftigen. Er suchte in den „Morgenstunden" das Dasein Gottes zu erweisen, mahnte in „Jerusalem" zur Toleranz und warnte vor jeder kirchlichen und priesterlichen Macht, und lehrte in „Phaedon" die Unsterblichkeit der Seele. Dies Buch, so unsokratisch der in ihm docirende Sokrates auch sein mochte, zog in weiter, glänzender Siegeslaufbahn durch die ganze Welt, machte den Alten den Abschied vom Leben leicht und stärkte die Jungen im Kampfe ums Dasein. Denn wie Matthisson bezeugte, stand schon unter der Jugend der Glaube an Wiederfinden und Wiedererkennen unerschütterlich fest: „Dank sei es dem tagverkündenden Morgenstern Mendelssohn." Selbst diese Schrift als hochbedeutende Leistung anzuerkennen, wird dem modernen Leser schwer. Will ein solcher, abgestoßen von manchem Unselbständigen und vielen Mißverständ-

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