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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 203

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
Date
1898-01-01
Page
203 (sequence 14)
Language
German
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203 des treuen Dieners seiner Kirche war es zu danken, daß Friedländer die verhängnißvollen Folgen seines zwar nicht unbedachten, aber unklaren Schrittes nicht zu ziehen brauchte. Friedländer blieb Zeitlebens seinem Glauben treu, aber er gehörte zu denen, die eine völlige Verbindung deutscher Gesittung mit dem Festhalten an dem alten Glauben durchzuführen entschlossen waren. Zu diesem Ende begünstigte er alle Reformen des Gottesdienstes und der Gebräuche. Er verfaßte selbst ein Gebetbuch und betheiligte sich an der Einführung eines deutschen Kultus. Er unterstützte Herz' Bemühungen gegen zu frühe Beerdigungen. Er beförderte die jüdische Freischule, aus der später die jüdischen Schulen Berlins hervorgingen. In allen seinen Bemühungen meinte er von Mendelssohn geleitet zu werden. Dieser, der wirklich sein Lehrer gewesen, war sein großes Vorbild. Von ihm zu erzählen, ward er nicht müde. Er gab seinen Phaedon, seine Briefe und andere Schriften heraus und widmete ihm das schöne Wort: „Unter Deinem milden Schatten hast Du auch mich winzige Pflanze geduldet, gehegt und gepflegt. Es ist ein herrliches Gefühl, einem Weisen nahe gewesen zu sein, wahre Seelenwonne der Erinnerung, daß der Edle meine kindliche Anhänglichkeit würdigte und mich väterlich liebte." Will man aber den Mann nennen, dem die Juden verdanken, daß es ihnen möglich wurde, in die Gesellschaft einzutreten, durch den sie Deutsche wurden, so muß man Mendelssohn's Namen nennen. Mendelssohn (1729—1786) gehörte seit 1743 Berlin an. Aus seiner Vaterstadt Dessau war er mit gelehrten Kenntnissen der jüdischen Literatur, aber des Deutschen wenig kundig, nach Berlin gekommen. Dort lernte er die Anfangsgründe deutschen Wissens bei Dr. Aaron Gumpertz, einem gebildeten Arzt, der ihm Zeitlebens treu verbunden blieb und seiner Braut später dieselben Dienste leistete, die er ihm erwiesen. Eine ebenso große Epoche, als die Hingabe an deutsche Sprache und Wissenschaft, bildete für Mendelssohn die Bekanntschaft mit Lessing. In ihm erlangte er einen Freund, einen Mahner zu schriftstellerischem Wirken, eine Stütze seines Selbstbewußtseins. Denn es gehörte viel dazu, den schüchternen schwächlichen Jüngling zu bewegen, mit seiner Arbeit hervorzutreten. Welch ungeheurer Schritt von dem armen Knaben, der nur im Verborgenen, aus Furcht vor Bestrafung,

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