Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 202 (sequence 13)
- Language
- German
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202 entweder den Kampf des Lebens mit großer Energie und geringem Gewinn führen oder brachten es höchstens zu mäßigem Wohlstände; Friedländer dagegen war ein reicher Mann, der feine Schätze mehrte. Fanden Jene, außer Herz, nur in den Kreisen Anderer Beachtung, so öffnete Friedländer, feine Söhne und Töchter, sowie feine zahlreichen Verwandten Vielen ihr gastliches Haus. Er war der erste jüdische Stadtrath Berlins, ein hoch angesehener Mann in Stadt- und Staatsleben. Ihm war es vergönnt, die durch das Gesetz vollzogene Gleichstellung der Juden im Jahre 1812 zu erleben. Aber er gehörte zu den Wenigen, die diese Gewährung nicht als ein zufälliges Geschenk annahmen, sondern die wacker an der Erringung dieser Gabe mit gearbeitet hatten. Er gehörte mehrere Jahrzehnte dem Aeltesten (Vorstande) der jüdischen Gemeinde an, und er vor Allem setzte es durch, daß diese Behörde sich nicht darauf beschränkte, die inneren Angelegenheiten der Gemeinde zu verwalten, sondern daß sie sich als Vertreter der Hauptstadt berufen fühlten, für die Judenschaft des ganzen Landes zu wirken. Unermüdet, durch kein Hinderniß und keine Abweisung abgeschreckt, kämpfte er Jahrzehnte für die Emanzipation der Juden. Wenn diese auch keineswegs allein auf das Drängen des jüdischen Vorstands hin erfolgte, sondern wenn sie im nächsten Zusammenhang steht mit den freisinnigen Verordnungen der Stein und Hardenberg'schen Periode, die darauf hinauslief, den Staat von Grund auf zu reformiren und alle Kräfte zum Wohle des Ganzen zu verwerten, die bisher geschlummert hatten, so muß Friedländer dankbar unter den Vätern dieser Emanzipation genannt werden. Aber seine Thätigkeit ist damit noch nicht zu Ende. Er hat vielmehr stets aufs Neue die Forderung gestellt, daß die Juden, um sich als volle Staatsbürger zu bethätigen, auch an der Vertheidigung des Staates theilnehmen müßten. Diese Sehnsucht nach einer vollkommenen Verschmelzung der Juden mit den übrigen Staatsbürgern brachte ihn freilich zu seltsamen Anschauungen und Forderungen. In einem vielgenannten, herb getadelten und nicht immer recht verstandenen Sendschreiben an den damaligen Probst Teller gab er dem Wunsche Ausdruck, daß die Juden mit ihren christlichen Mitbürgern eine ungetrennte Brüderschaft ausmachen sollten, ohne zum Christenthum überzutreten. Glücklicherweise mußte die Antwort des christlichen Geistlichen eine ablehnende sein, und dieser Abwehr