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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 201

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
Date
1898-01-01
Page
201 (sequence 12)
Language
German
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201 Bekenntnisses. Er wollte nie die alte Glaubenscocarde ändern, schon der Schein einer solchen Verleugnung erfüllte ihn mit Widerwillen und Ekel." Marcus Herz, der dritte aus diesem Kreise, stand auf demselben philosophischen Standpunkte wie Bendavid. Auch er war Kantianer wie jener und gab seiner Bewunderung für den Meister nicht bloß in Briefen an diesen, sondern in einer Reihe von Schriften in den verschiedensten Epochen/seines Lebens Ausdruck. Aber Herz war praktischer Arzt, stand als solcher mitten im Leben, war mit Erfolg bei seinen Glaubensgenossen und einem großen Theil der vornehmen Gesellschaft Berlins thätig und versuchte sich in medicinischen Schriften. Er hatte ein lebhaftes Interesse für Naturwissenschaft; besonders berühmt waren seine physikalischen Experimente und Vorlesungen, zu denen sich die gute Gesellschaft Berlins, selbst einzelne Mitglieder des Königlichen Hauses, drängten. Herz gehörte seinem Bildungsgänge nach der Lessing'schen Zeit an. Wie er in seinem Stile an Lessing erinnert, beharrte er auch ästhetisch bei dem Standpunkte, den jener vertrat, und konnte ebensowenig an den Werken der Klassiker, die auf Lessing folgten, noch der Romantiker, die ihm und jenem entgegentraten, Geschmack finden. Herz war ein Aufklärer, der seine Treue und Anhänglichkeit an den väterlichen Glauben besonders dadurch zu bethätigen suchte, daß er aufklärerische Gedanken in das Judenthum brachte und praktisch zu wirken versuchte. Besonders lebhaft trat er in Reden und Schriften, in deutschen und hebräischen Abhandlungen gegen die damals allgemein übliche Unsitte der frühen Beerdigung auf. Mit Entschiedenheit und mit Witz wehrte er Angriffe ab, die gegen Juden vorgebracht wurden; die Stellung, welche die Juden in der Gesellschaft einnahmen, war zum Theil durch die Hochachtung, ja Verehrung bestimmt, die Herz in den weitesten Kreisen genoß. Auch ein Kantianer war David Friedländer. An Schärfe des Denkens läßt er sich mit keinem der Vorhergehenden vergleichen. Er besaß gewiß weniger jüdisches Wissen als Salomon Maimon, seine philosophische Durchbildung war geringer als die des Letztgenannten. -Während all die Männer, von denen bisher die Rede war, strenge Gelehrte waren, Männer der Wissenschaft, die diese ihre Wissenschaft im Praktischen Leben ausüben konnten, war Friedländer Kaufmann. Jene mußten

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