Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 200 (sequence 11)
- Language
- German
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200 manden schonte. Er gerieth in großes Elend und wurde von dem Selbstmord nur durch seinen moralischen Muth zurückgehalten. Vor dem Uebergang zum Christenthum, zu dem Viele ihm riethen, hielt ihn seine unbeugsame Wahrheitsliebe zurück. Der polnische Jude war in seinem wilden Aussehen und zügellosen Gebühren den geglätteten Berlinern eine unwillkommene Erscheinung, den deutschen Schriftstellern war er eine schwer begreifliche aber geachtete Persönlichkeit. Er war Mitarbeiter der Schiller'schen „Horen" und Goethe sagte einmal von ihm: „Wenn ein Mann so erstaunend viel thut, ist es doch auch recht, daß man von ihm spricht". Lazarus Bendavid war ein Berliner, einer wohlhabenden Familie entsprossen, in gefesteten Verhältnissen auferzogen. Er war kein Stürmer, sondern ein in sich einiger Charakter, der auf methodischem Wege fortging und in konsequenter Lebensführung ausharrte. Nach einem kurzen Versuche, in Wien als philosophischer Docent zu wirken und nach vergeblichen Bemühungen, im preußischen Justizdienst angestellt zu werden, blieb er bis zu seinem Ende Privatgelehrter, Jahrzehnte Rektor der jüdischen Armenschule und mehrere Jahre Redakteur der Spener'schen Zeitung. Er war ein moderner Diogenes, der den Cynismus namentlich in seinem äußeren Gebühren vielleicht ein bischen zu weit trieb, unabhängig und entsagend, geehrt und geachtet von den Reichen unter seinen Glaubensgenossen und von den geistig Bedeutenden unter allen seinen Mitbürgern. Er war ein freier Geist, der seine philosophischen Bedenken gegen Ceremonialgesetze und manche Lehren des Judenthums nicht verhehlte. Seine literarische Bedeutung besteht hauptsächlich darin, daß er ein Verbreiter und zum Theil Ausbildner der Kantischen Lehre in Deutschland wurde und besonders auch naturwissenschaftliche Kenntnisse zur Aufklärung seiner Glaubensgenossen und Landsleute verwerthete. Das schöne Wort Heine's über ihn stellt am besten sein Wesen dar. „Ein Weiser nach antikem Zuschnitt, umflossen vom Sonnenlicht griechischer Heiterkeit, ein Standbild der wahrsten Tugend und pflichtgehärtet wie der Marmor des kategorischen Imperativs seines Meisters Kant. Bendavid war Zeit seines Lebens ein eifriger Anhänger der Kant'schen Philosophie. Für dieselbe erlitt er in seiner Jugend die größten Verfolgungen und dennoch wollte er sich nie trennen von der alten Gemeinde des mosaischen