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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 198

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
Date
1898-01-01
Page
198 (sequence 9)
Language
German
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198 Genie Goethe ist, das weiß ich, ich habe immer gesagt, ich gäbe 10 Jahre von meinem Leben, wenn ich Sternen's Lebenslauf um ein Jahr hätte verlängern können, aber Goethe tröstet mich einigermaßen über seinen Verlust, ich kann das Gewäsche von Verderben, Schwärmerei u. s. w. gar nicht hören, elendes Räsonnement, malt für Eure Kleisterpuppen lauter Grandisone, damit sie nicht am Feuer der Empfindung springen, soll man denn gar nicht für Menschen schreiben, weil Narren närrisch sind? Eins thnt mir nur leid, daß der arme Jerusalem durch diese Meisterwerke öfter an den Verlust seines Sohnes wird erinnert werden, weil der große Narrenhaufe glaubt, der sunge Jerusalem sei so gewesen und ihm noch mehr Trost zusprechen wird." So sprach mein verewigter Freund und' ging zu Mendelssohn, mit dem er sich beinahe über mich entzweite." II. Es ist schwer, einen Uebergang zu finden von den Frauen der Berliner Gesellschaft zu den Männern, die den Mittelpunkt großer Kreise bildeten. Wenn wir die letzteren betrachten, so kehren wir aus der Zeit der Romantik zurück in die Zeit der Aufklärung, aus mystischen Kreisen, die theils direkt der mystischen Literatur sich zuwenden, theils dem wirklichen Leben sich abwenden, zu denen, die mitten in dem realen Leben stehen. Die Frauen jener Zeit arbeiteten und sehnten sich nach einer Verklärung des Herzens, die Männer erstrebten den Sieg des Verstandes. Sie waren praktisch, verstandesklar und fühlten Theilnahme an dem Bedürfnissen und großen Fragen des Augenblicks. Vor allem aber eins: die Frauen hatten keine Kraft zum Dulden und keine Lust, in den engen Kreisen zu verbleiben, in die der angestammte Glaube sie fesselte, die Männer wurden Märtyrer ihrer Religion und nahmen Schmerz und Pein auf sich, welche die Treue im Gefolge hatte. Die Männer, welche die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert bildeten, waren Anhänger der Aufklärung. Wenn für die Frauen Goethe der leuchtende Stern war, so blieb für die Männer Lessing, in manchen Dingen Goethe's Widersacher, Anreger und Vorbild. Wenn die allgemeine Aufklärung in Deutschland sich gegen den Aberglauben zu wenden und die natürliche Vernunft an die Stelle der dogmatischen Religion zu setzen hatte, so bestand das Wesen der

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