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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 196

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
Date
1898-01-01
Page
196 (sequence 7)
Language
German
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196 mit ihrer Philosophie im Leben ein; ihr Denken wurde zur That, und wie sie mit ihrem Geiste in anderen Seelen unermüdlich Geistesfunken weckte, wie sie das Kleinliche in allen Herzen zu vernichten suchte, wie sie ohne aus ihrer Weiblichkeit herauszutreten, das Große in den Männern förderte, so stand sie mit voller Berufskenntnis im praktischen Leben da, helfend, rathend, tröstend, unbekümmert um Dank und Undank, die echte, reine deutsche Frau." Rahel war eine gläubige Natur. Der Uebergang zum Christenthum war bei ihr nur ein äußerlicher, sie fühlte sich dauernd mit der Gemeinschaft vereint, aus der sie hervorgegangen war. Noch bis in ihre letzte Zeit bediente sie sich häufig der hebräischen Schriftzeichen; in den Briefen an ihren Bruder schreibt sie / einmal: „Dir, Bruder, wiederhole ich das heilige Wort unter uns abgeredet: beim Jochid". In Paris rühmte sie sich laut, eine Berliner Jüdin zu sein; sie empfand tiefes Weh, als sich in Deutschland Nachspiele der mittelalterlichen Stürme zeigten, sie bewahrte das Gebetbuch, aus dem ihre Mutter, die sie als Jüdin bis zuletzt gepflegt hatte, bis zum Ende Trost geschöpft hatte. An ihrem Begräbnißtage schickte Varnhagen eine ansehnliche Summe an jüdische Arme. Noch auf ihrem Todesbette rief sie mit tiefer Bewegung aus: „Welche Geschichte! Eine aus Aegypten und Palästina Geflüchtete bin ich hier, und finde Hülfe, Liebe und Pflege von Euch! Mit erhabenem Entzücken denk' ich an diesen meinen Ursprung und diesen ganzen Zusammenhang des Geschickes, durch welches die ältesten Erinnerungen des Menschengeschlechts mit der neuesten Lage der Dinge, die weitesten Zeit- und Raumfernen verbunden sind. Was so lange Zeit meines Lebens mir die größte Schmach, das herbste Leid und Unglück war, eine Jüdin geboren zu sein, um keinen Preis möcht' ich das jetzt missen." Unter den jüdischen Frauen des damaligen Berlin, die zu besonders glänzenden Stellungen gelangten, sind zwei Schwestern Meyer zu erwähnen, von denen die eine als Gattin des Fürsten von Reuß, Frau Marianne von Eybmberg, die andere Sara, zuerst mit dem Herrn Lipmann Wulf vermählt, nach eingetretener Scheidung eine Baronin von Grotthus, durch ihre Schönheit und durch ihren Geist bekannt sind. Beide Frauen standen mehrere Jahrzehnte mit Goethe in brieflicher und persönlicher Verbindung. Goethe, der schönen

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