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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 195

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
Date
1898-01-01
Page
195 (sequence 6)
Language
German
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195 «ine der ersten Schriftstellerinnen werden können. Sie begnügte sich damit,. Aphorismen zu schreiben und Briefe zu verfassen: „sie schrieb ihre Briefe, wie ich meine Werke schreibe", hat mir der große Historiker Ranke einmal über sie gesagt. Sie war Jahrzehnte lang als ein nicht sehr begütertes, auch nicht durch Schönheit hervorragendes Mädchen der Mittelpunkt eines großen Kreises. Man kann sagen, ihre gesellschaftliche Stellung wurde geringer mit dem Moment, da sie von dem Judenthum abfallend Varnhagen heiratete und eine vornehme Frau wurde. Auch sie erfaßte wie Dorothea und Henriette das Neue, aber nicht aus Neugier wie die erste, nicht aus Modesucht wie die zweite, sondern aus innerem Drang. Für die erste war es eine Befriedigung der Eitelkeit, daß sie Goethe sah, für die zweite ein glänzender Schmuck, mit dem sie sich gern zierte, für Rahel war es die notwendige Ergänzung ihres Wesens. Dorothea geriet bald in Widerspruch mit Goethe, Henriette hat ihn wohl niemals verstanden, Rahel wurde seine Predigerin und seine Prophetin. Was sie liebte, Menschen und Dinge, geistige Güter und sittliche Anschauungen, vertheidigle sie mit Begeisterung und zwang sie mit Heftigkeit selbst den Widerstrebendsten aus. Der Eindruck, den sie aus Jung und Alt übte, war ein überwältigender. Zwei Aeußerungen von Zeitgenossen, des schwedischen Gesandtschaftssecretärs Brinkmann und der weimarischen Hofdame Jenny von Pappenheim mögen genügen, die Art dieses Eindrucks festzustellen. Brinkmann schreibt: „Was ich in den Hörsälen der Weisen, in den geheimnißvollen Tempelhallen der Frauen, in der sinnlichen Prachtwelt vergebens gesucht hatte: ungeschleierte Wahrheit, Selbstständigkeit des Geistes und Innigkeit des Gefühls kam mir in dem Dachstübchen dieser seltenen Selbstdenkerin als eine heilige Offenbarung entgegen". Jenny von Pappenheim stellt ihren Einfluß folgendermaßen dar: „Sie trat ein in unsere Krümel liebende Zeit eine große ganze Seele. Sie ging umher in Verhältnissen, in Charakteren mit der gigantischen Fackel, die sie am Altar der Wahrheit entzündet hatte. Sie beleuchtete das Kleinliche, Lügenhafte und Elende; und manches Johanniswürmchen, das man für einen Edelstein ansah, stellte sie auf die Füße und es ward dunkel; manchen Edelstein dagegen, der uns ein Kiesel schien, schliff sie zurecht und er ward leuchtend. Sie griff

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