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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 193

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
Date
1898-01-01
Page
193 (sequence 4)
Language
German
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193 Dorothea fand ihren Verführer in Friedrich Schlegel. Sie ward ihrem Gatten untreu, ging zum Christenthum über und lebte mit ihrem zweiten Mann in einer überaus glücklichen Ehe. Sie war eine geistreiche Frau, deren Roman „Florentin" die unklaren Bestrebungen jener Zeit trefflich darstellte, eine patriotische Deutsche, welche den Befreiungskampf mit viel Theilnahme verfolgte und nahm lebhaften Theil an literarischen Streitigkeiten der Zeit. Sie war keine emancipationslüsterne Dame, sie war daher weder begierig, für sich eine besondere Stellung einzunehmen, noch geizte sie nach schriftstellerischem Ruhm; die Bedeutung, die ihr zutheil wurde, nahm sie mit Bescheidenheit hin, und die Fehler, die sie begangen und wodurch sie Andere unglücklich und sich bekannt gemacht hatte, bereute sie tief. Dorothea ward, trotzdem sie zum Christenthum überging, keine Apostatin in dem Sinne, daß sie alles Jüdische verwarf oder gar gegen ihre ehemaligen Glaubensgenosfen auftrat. Als sie im „Moniteur" einmal las, alle Juden mit wenigen Ausnahmen seien Wucherer, war sie im tiefsten Inneren davon empört. Eine Freundin der Dorothea war Henriette Herz, die schöne Frau eines bedeutenden Mannes, der uns noch zu beschäftigen hat. In ihrer Schönheit mehr als in ihrem Geift lag der Hauptreiz, den sie übte. Sie wurde der wahre Mittelpunkt einer großen Geselligkeit, in der die angesehensten und vornehmsten Männer und Frauen gern und oft verkehrten. Sie war die Freundin Schleiermachers und die angebetete Göttin des jungen Börne, sie war die Verkünderin neuer philosophischer Lehren und die Lobrednerin Goethes, als dieser in Berlin noch ein geringes Publikum hatte. Aber dieses geistige Interesse war bei ihr mehr Mode und Formsache als Wirkung eines nie rastenden geistigen Bedürfnisses. Sie war innerlich hohl, „eine übertünchte Unwahrheit," wie sie ein Zeitgenosse genannt hat. Diese Unwahrheit oder mindestens diese Lust an eitler Selbstbespiegelung zeigt sich auch in folgender Stelle ihrer Jugenderinnerungen, die erst kürzlich einem Kreise von Fachgenossen bekannt gemacht worden sind: „Wir Frauen waren sehr glücklich, wenn er (Mendelssohn) unser Vorlesen rühmte. Wie schlichen wir nicht umher, um ein freundliches Wort darüber von ihm zu hören. — Er war so gut und mild in seiner Klugheit, und tadelte er mich auch zuweilen,

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