Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 192 (sequence 3)
- Language
- German
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192 „Heber das Vorgefallene zwischen uns wollen wir einen Schleier ziehen und es der Vergessenheit übergeben. Ich werde Euch beide nicht aufhören zu lieben und das Mögliche thun, wenn wir auch in Rücksicht der Religion nicht einerlei Meinung sind. Moral und Religion, bürgerliche Rechte und bürgerliche Pflichten sollten zwar immer Hand in Hand gehen, allein mit dem Unterschied, daß die Moral und alle bürgerliche Pflicht für alle Menschen nur eine und die nämliche ist; ihr Wesen ist in der Natur des Menschen gegründet, abgesondert von allem Ewigen und Göttlichen. Die Moral ist für den Menschen im praktischen Leben, was die Logik für den Verstand ist. Die Moral ist der Wegzeiger, durch ihre Grundsätze werden wir sanft und glücklich durch die Welt geführt, ihre Grundsätze sind einfach und allgemein. Es giebt nur eine Moral für alle Nationen, für alle Menschen von Anbeginn der Welt bis |um jüngsten Tag, und diese kann mit den Worten ausgedruckt werden: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst". Religionen hat es aber von Beginn der Welt bis jetzo viele gegeben, und werden wahrscheinlich noch viele zwar nur anders modificirt folgen. Wenn indessen die Religion von der Toleranz beleuchtet wird, wenn sie mit der Moral Hand in Hand gehen darf und gehen kann, so thun sie sich unter einander nicht nur keinen Schaden, sondern sie nähern sich so lange gegen einander, bis sie fast neben einander fortlaufen. Also, mein lieber Sohn, so lange wir nur verschieden in der Religion, in unseren moralischen Grundsätzen eins sind, so wird nie eine Trennung zwischen uns Vorfällen". Nicht minder wird sein Wesen charakterisirt durch ein Gedicht, welches Dorothea bei Uebersendung einer Börse an ihn richtete: An Simon Veit Mit einer Geldbörse. Der Jrrthum nie mißbraucht und nie den Schwachen, Auf Freundes Kosten nie den Reichthum mehret. Der schnöden Vortheil waget zu verlachen. Verschmähend tief, waH Redlichkeit nicht lehret. Den Klugheit nur und Fleiß zum Reichen machen. Der den erworbnen Schatz stets milde leeret — Zum Füllhorn wird die Gabe seinen Hgnden, . Das tief bewahrt, um reicher dann zu spenden.