Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Zwei amerikanische Frauengestalten
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 186 (sequence 4)
- Language
- German
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186 Hohe Ehre genoß die schöne Rebekka bei dem glänzenden Feste, das dem General Howe, als Oberbefehlshaber der englischen Truppen durch Clinton ersetzt, bei seiner Abreise von Philadelphia gegeben wurde. Dieses Fest, „Maschianza" genannt, bestand hauptsächlich in einem Tournier, in welchem Englands tapferste Ritter zu Ehren der schönsten Frauen der Stadt Philadelphia kämpften. Die Ritter der „Blended Rose", standen denen des „Burning Mountain" in mittelalterlicher Rüstung gegenüber. Der Führer der letzteren Partei erschien zu Ehren der Rebekka Franks, welche eine kostbare weiße, seidene Robe, besetzt mit blauen und weißen golddurchwirkten Bändern, und einen mit Perlen und Juwelen geschmückten Hut trug: Rebekka Franks wurde als die „Königin der Schönheit" gekrönt und bei dem nach dem Tournier abgehaltenen Festmahle, bei dem es an royalistischen Trinksprüchen nicht fehlte, als Königin gefeiert. Rebekka's Bleiben war in Philadelphia nicht. Die exzentrische Anhänglichkeit an das Mutterland verursachte ihr bald viel Herzleid und kostete ihrem Vater den größten Theil feines Vermögens. Er mußte mit seiner Familie das Land verlassen und unter Verlust' einer in der Staatskasse deponirten Summe von 200 000 Dollars sich verpflichten, während der Dauer des Krieges mit England weder nach New-Bork, noch nach Philadelphia zurückzukehren und mit den Engländern keinerlei Verbindung zu unterhalten. Er schiffte sich nach London ein, wo sein Bruder Moses wohnte und wo im Januar 1782 Rebekka mit Georg Johnson, dem nicht mehr jungen Neffen des Generals Walsh, sich vermählte. Ein Jahr später kehrte ihr Vater nach Philadelphia zurück, fiel aber sehr bald dem gelben Fieber zum Opfer. War Rebekka Franks glücklich? Ganz anders als der Lebenslauf Rebekka Franks gestaltete sich der der Rebekka Gratz. Auch sie stammt aus Deutschland. Michael Gratz, ihr Vater, war in Langendorf in Ober- Schlesien iw Jahre 1740 geboren. Kaum neunzehn Jahre alt, folgte er seinem Bruder Bernhard nach Philadelphia und betrieb mit ihm, mit David Franks, Joseph Simons u. a. das Geschäft eines Waarenlieferanten für die Jndianerhändler. Innerhalb weniger Jahre war Michael ein reicher Mann und führte die Tochter seines Geschäftsfreundes Simons heim, der, im Jahre 1740 nach Lancaster in Pennsylvanien gekommen^