Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Zwei amerikanische Frauengestalten
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 185 (sequence 3)
- Language
- German
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185 Parker Zeitung nach feinem Hinscheiden von ihm rühmte, ein Gentleman von liebenswürdigem Charakter, ein zärtlicher Vater, ein streng redlicher und gewissenhafter Kaufmann, ein hülsreicher Freund den Armen, leutselig und freundlich gegen jedermann. Zakob Franks' Sohn David nahm als Agent des Königs von England für Pennsylvanien seinen Wohnsitz in Philadelphia, wo er im Alter von dreiundzwanzig Jahren mit Margarethe Evans, einem Mädchen aus vornehmer christlicher Familie, die Ehe einging, ohne jedoch seinem väterlichen Glauben zu entsagen und aufzuhören Mitglied der jüdischen Gemeinde in Philadelphia zu sein. Er bewohnte das schönste Haus der Stadt und war vermöge seines Reichthums und seiner einflußreichen Stellung einer der angesehensten Männer in ganz Pennsylvanien. Seiner Ehe mit Margarethe Evans entsproß Rebekka, welche als seine jüngste Tochter im Jahre 1758 geboren und, wenn auch das Kind einer christlichen Mutter, als Jüdin erzogen wurde. Rebekka war von seltener Schönheit, entzückend in ihrem Wesen, fesselnd in ihrer Unterhaltung, voll Geist und Witz, immer schlagfertig. Sie genoß eine sorgfältige Erziehung, war sehr unterrichtet und belesen, vertraut mit den Schriften Miltons, Goldsmith', Swifts u. a. und hatte einen eleganten Stil. Sie bewegte sich in den vornehmsten Kreisen und galt überall als das schönste und reichste Mädchen Philadelphias. Wie ihr Vater und ihre ganze Familie hielt sie beim Ausbruch des amerikanischen Freiheitskrieges treu zu England; sie bildete den Mittelpunkt der „Loyalisten", wie die Anhänger des englischen Regimes genannt wurden, und ihre Sarcasmen auf die berühmtesten Männer der Revolution gingen von Mund zu Mund. Nachdem General Howe, der sich oft an Rebekka's geistreichen Gesprächen ergötzte, im Sommer 1787 Washington geschlagen und ihn genöthigt hatte, Philadelphia, die Hauptstadt der rebellischen Kolonie, zu räumen, schrieb sie ein langes Gedicht, in dem die Führer der „Rebellen", Hancock, Robert Paine, besonders Washington, mit beißendem Spott behandelt, verhöhnt und geschmäht werden. Diese politische Satire, welche den Titel „ähe Times, ein Gedicht von Camilio Querno, gekrönter Dichter des Kongresses" führte, und von der in jener Zeit viele Abschriften zirkulirten, wurde erst vor einigen Jahren als das Gedicht einer Loyalistin vollständig veröffentlicht.