Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die mittelhochdeutsche Sprache bei den Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 179 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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179 zu stehen, > um einen Vorübergehenden zu erhaschen und ihn nach Neuigkeiten auszufragen, während Weinhold in seinem klassischen Buche „Die deutschen Frauen im Mittelalter" schreibt (II S. 193): „Eine liebe Unterhaltung der Frauen, auf den Bergen und Schlössern war, in den Fenstern oder auf den Lauben und Zinnen zu stehn und in die Weite zu schauen, sb auf den Straßen jemand nahe, der ihnen bunten Wechsel in das alltägliche Grau der häuslichen Geschäfte schaffe"! So belegt Schmeller S. 1634 aus alten Quellenschriften die Redensart „Was ist der Maer" in der Bedeutung, was geht da besonders vor. Jene erwähnten mittelalterlichen Botschaften haben zur Entstehung eines ganz besonderen Ausdrucks beigetragen, der auch in jüdischen Kreisen heimisch war und uoch bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts in jüdischen Schriften sich erhalten hat. Äus dem Gebrauche nämlich, dem eine Nachricht bringenden Boten ein Brod zu spenden, entstand für Verkündigung und Botschaft der Ausdruck Botenbrod. Daher ist noch bei Hans Sachs Botenbrod soviel als Botschaft. So wird auch in den Bibelübersetzungen das Wort mwa, Nachricht gradezu mit Botenbrod übersetzt und mwa a>'x mit Botenbroter, wie auch das Verbum iL>aa und ~)W2 gebotenbrot und betenbrot wiedergegeben rvird.^) Dieses Wort gehört zu einer Anzahl von Wörtexn, die sich aus der Umgangs- und Büchersprache späterer Zeit verloren haben, dagegen sei noch ein Wort erwähnt, welches dem Altdeutschen angehört, aber durch eine mißverständliche Auffassung hebräisirt worden ist. In dem Volksliede zum Schluffe des Seder am Pessachabend, welches mit den Worten «nnaa anpa W'a nw xin inx beginnt, haben die Uebersetzungen das deutsche schier, welches in der Bedeutung von bald und schnell für anpa und mnaa steht, in das hebräische «vw verwandelt, sodaß das Volk singt: Allmächtiger Gott, bau' Deinen Tempel 7N'L>, statt schier, d. h. bald. Die gegebenen Proben beschließe ein anderes Beispiel, nämlich ein Wort, welkes, eigentlich aus nichtjüdischem Kreise stammend, erst spät in die Umgangssprache der Juden zur Aufnahme gelangt ist, jetzt aber fast nur als jüdisch angesehen wird. Ich meine das Wort unberufen, unbeschrien, welches unter Juden so gebräuchlich geworden ist, daß man es oft in