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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 177

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die mittelhochdeutsche Sprache bei den Juden
Date
1898-01-01
Page
177 (sequence 16)
Language
German
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177 z. B. Zöchen für Docht gebrauchen und der elfjährige Knabe legte sich die Etymologie zurecht, daß es vom hebräischen pin, das Innere (des Lichtes nämlich) herzuleiten fei. Natürlich konnte er nicht ahnen, daß bereits die alte Aventiner Chronik diesen deutschen Ausdruck bewahrt, wenn sie erzählt, „Kaiser Theodofius Hab' ein Leuchter gehabt zu Nacht, der ihm selbst Oel zum Zöchen gegossen habe". — Damals deckte die Mutter beim Eingänge des Sabbaths den Tisch mit dem Zwehl (Tischtuch) und das Bett mit dem Leilach (Lein- oder Betttuch). Am Freitagabend dampfte aus der Tafel die Schüssel mit dem Zimmes, welches jetzt speciell ein Gemüse aus gelben Rüben bezeichnet, früher aber als Zumis oder Zümis für Gemüse überhaupt gebraucht wurde; s. Levita im Tischbi s. v. rMtsp. Wie Zimmes aber in deutschen Quellen als eirch Zuspeise sich findet, dafür bietet Grünbaum a. a. O. S. 506 verschiedene Belege. — Es klopft an die Thür und herein tritt die arme Nachbarin Frümmet, deren Namen man bisher als einen jüdischen in der Bedeutung „fromme Maid" halten wollte, die wir aber nach Grimm, Grammatik II, S. 246 von „dem germanischen Namen Frümede in der Bedeutung von Rechtschaffenheit herzuleiten haben. Die würdige Frau, welche als gern gesehener Gast an jedem Freitagabend im Hause erscheint, wird von allen Anwesenden freudig begrüßt, indem man ihr „esgottselkümmt" zuruft. Es ist dies eine Begrüßungsformel, die gewöhnlich beim Empfange einer Frau angewendet wird, während man den Mann beim Eintritt hebräisch mit Baruch habba, d. h. Gesegnet sei der Kommende, empfängt. Es hängt mit jenem noch zu erklärenden Ausdruck ein ganzes Stück Kulturgeschichte zusammen. Grimm, deutsche Mythologie, entwickelt einen großen Aufwand von Gelehrsamkeit, um diese im Laufe der Zeit etwas corrumpirt gewordene Formel näher nachzuweisen. Hierbei sagt er u. A.: „Einige auffallende Anwendungen des Wortes Gott in der älteren und in der Volkssprache können noch mit heidnischen Vorstellungen Zusammenhängen. So wird Gott gleichsam zur Verstärkung des persönlichen Pronomens beigefügt; in mittelhochdeutschen Gedichten liest man die treuherzige Empfangsformel: Gote sult kr willekommen sin. Grimm bringt dann verschiedene Citate aus mittelhochdeutschen Dichtungen, in denen diese Formel variirt und schließt dann: In Oberdeutschland hat sich diese Begrüßung 12

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