Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die mittelhochdeutsche Sprache bei den Juden
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 176 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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176 mit Accenten versehen, enthält. Es sind meistens die Tonzeichen Tipchah, Atnach oder Sakef Katan.") In weiterem Verlaufe des Gesprächs gewinne ich immer mehr Beiträge für die deutsche Sprachkunde, die ich aber hier ferner mitzucheilen.unterlasse, weil ich nunmehr zu einer anderen Aufgabe übergehen will. Nur möchte ich zum Schluffe über dieses Gespräch noch gelegentlich bemerken, daß mir hier wie bei jeder anderen talmudischen Discussion der Gebrauch des Genus in drei besonderen Fällen immer auffiel. Man sagt: „Der harbe Rambam", also im Masculinum. Harb im Mittelhochdeutschen, wie herb im Hochdeutschen, hat auch die Nebenbedeutung von scharf, zornig und böse (siehe Schmeller I, S. 1158). ' In der hebräischen Discussion bezeichnet es einen Ausspruch des Maimonides im Jad hachasaka, der durch einen gegen ihn erwiesenen Widerspruch nicht zur klaren Lösung gebracht werden kann. Man sagt ferner „die Raschi", also im Femininum, wahrscheinlich ist damit die Stelle im Raschi-Commentar gemeint. Nun auch ein Neutrum, nämlich „das riEDinAber auf welchem Wege ist zu jenen Talmudgelehrten im Osten die Redensart „ein kratisch p&bu, d. h. ein kritischer Ausdruck, dessen richtige Auffassung schwierig ist und zum Nachdenken auffordert, gelangt? In Midraschmanier würde ich sagen 'ßxyb ’jjwsi, d. h. wenn ich zu mir allein sprechen möchte, würde ich glauben, daß dieser Ausdruck mit oder seit Salomon Maimon in den Lehrhäusern Littauens heimisch geworden sei. Nunmehr wünschte ich, zur Ergänzung des nachgewiesenen Materials, die Aufmerksamkeit auf das Vorhandensein solcher Sprachreste in einem anderen Landestheile des ehemaligen Polens zu lenken. In meiner Heimath Qbersitzko in der Provinz Posen hörte ich noch in meiner Kindheit, also vor mehr als einem halben Jahrhundert, im Munde alter Leute eine ganze Anzahl von Wörtern, die mir damals natürlich als ganz jüdisch klangen, heute aber, soweit ich sie mir ins Gedächtniß zurückrusen kann, von mir als klassische Belege für das Wörterbuch der mittelhochdeutschen Sprache erkannt werden. In der Gegenwart dürften die hierher gehörigen Ausdrücke dort nicht mehr gehört werden; die allgemeine Schulbildung hat sie wahrscheinlich vertilgt. Damals hörte ich noch