Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 175

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die mittelhochdeutsche Sprache bei den Juden
Date
1898-01-01
Page
175 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111068-3111208--0192-3111424
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

175 13. Jahrhunderts finden wir den Namen Lais nicht blos von jenen epischen Liedern oder erzählenden Gedichten, sondern in der ganz allgemeinen Bedeutung von Lied, Weise, Gesang, Ton überhaupt gebraucht. Es ist das anglo-normandische urd altfranzösische Lai, Lay oder Lais, das angelsächsische Ley, d. h. Gesang und mittelenglische Lay, in denen sich die ursprüngliche allgemeine Bedeutung der keltischen Stammwörter von Ton, Gesang, Gedicht überhaupt erhalten hat. Somit haben wir den Stamm lei für singen festgestellt, woran sich dann im Laufe der Zeit die deutschen Endungen en und neu, also leie'n und lei (e) nen angefügt haben. Daher ist ersteres keine poetische Licenz, wenn in der Einleitung zum jüdischdeutschen Minhagbuche gereimt wird: Gott den Herrn soll man loben. Denn sein Namen ist sehr derhoben. Daß er uns seine heilige hat gegeben, Und d'rein gestellt 1NM wonach wir sollen leben. Gleich wie Ihr in den D'JUö wert leien. Daß Ihr wert euch euer Herz derfreien. Denn in der That gebraucht der Verfasser auch an anderen prosaischen Stellen den Ausdruck ley en, der auch in anderen jüdisch-deutschen Schriften nicht selten wiederkehrt, Während die Umgangssprache dafür leinen hat. Daß aber der Ausdruck sowohl für die Cantillation bei der Thora-Verlesung und dem Schma als auch ursprünglich für den talmudischen Vortrag zur Anwendung kommt, beruht auf der talmudischen Sentenz (Ende Megilla): Wer in der Thora liest ohne Melodie und Mischnah vorträgt ohne Gesang, von dem heiße es (Jecheskel 20): Auch gab ich ihnen Satzungen, die nicht gut sind und Rechte, durch welche sie nicht leben. So bezeugen Duran, Joseph del Medigo und Lipmann Heller, Mischnah-Texte mit Accenten (nir;:), gesehen zu _ haben. Auch ich habe ganz alte Mischnah-Handschriften in der National-Bibliothek zu Parma untersucht, welche mit den Haupt-Tonzeichen für die Satzeintheilung versehen sind. Wenig bekannt ist, daß in der Talmudausgabe von Sabionetta 1533 der Tractat Kidduschin den Mischnah-Text

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.